Der Wiederaufbau des Frankfurter Goethehauses

In seinem Aufsatz schildert Christian Welzbacher die Planung und Auseinandersetzung um den Wiederaufbau des Goethehauses in den Nachkriegsjahren, die damals eine grundlegende Debatte über das Für und Wider von Rekonstruktionen hervorrief.

Sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden die Diskussionen um Zerstörung und Wiederaufbau deutscher Städte noch immer intensiv geführt. Deutlich spürbar ist dabei, daß der zeitliche Abstand neben einer Vielzahl von wissenschaftlichen Erkenntnissen auch eine gewisse seelische Distanz mit sich gebracht hat. Dennoch schrieben sich bestimmte Deutungsmuster fest. In Bezug auf den nationalsozialistischen Untergangswahn hält sich etwa die Legende einer „Theorie des Ruinenwertes“ hartnäckig1, der zügige Neuaufbau nach 1945/49 wird oft als „zweite Zerstörung“ dargestellt. Auch über jene Bauten, die wiederaufgebaut wurden, herrschen dezidierte „Meinungen“ vor, die die Kontroversen angesichts ähnlicher aktueller Vorhaben bestimmen, etwa der Dresdner Frauenkirche oder dem Berliner Schloß. Wenn im folgenden der Wiederaufbau des Geburtshauses Johann Wolfgang Goethes in Frankfurt am Main untersucht werden soll, das am 22. März 1944 bis auf die Grundmauern zerstört wurde, so geschieht dies nicht allein unter Einbeziehung bisher unbekannter Quellen, sondern zwangsläufig auch vor dem Hintergrund aktueller Debatten.2 Das berühmte Fallbeispiel verdeutlicht dabei, daß es für „Rekonstruktionen“ keine Paradigmen und Referenzobjekte geben kann, so unterschiedlich und besonders ist jeder Einzelfall in Anspruch, Genauigkeit, städtebaulichem, kulturellem, historischem und politischem Kontext.
Der Direktor des Freien Deutschen Hochstiftes, der Germanist Ernst Beutler (1885-1960), in seiner Funktion seit 1925 für Goethehaus und -Museum verantwortlich, machte direkt nach der Zerstörungsnacht den Wiederaufbau zu seinem erklärten Ziel. Noch im April 1944 kündigte er seine Absicht öffentlich an.3 Rechtfertigung für diese Entscheidung bot nicht nur die kulturelle Bedeutung der Stätte, sondern – dies versicherte Beutler den Gegnern einer Rekonstruktion – die spezifische Vorgeschichte des kriegszerstörten Baus. „Man muß sich ja immer vergegenwärtigen, daß alle diese historischen Häuser mehr oder weniger Wiederherstellungen sind“4, urteilte Beutler mit Blick auf andere Gedenkstätten, wie dem Schillerhaus Marbach, Schillers Sterbehaus in Weimar, dem Bonner Beethovenhaus und dem Goethehaus in Weimar. Auch das zerstörte „alte“ Goethehaus bildete für ihn dabei keine Ausnahme.
Seit dem 19. Jahrhundert, angefangen mit der Erwerbung durch das Freie Deutsche Hochstift 1863, war versucht worden, das mehrfach umgebaute Haus in den Zustand der Goethezeit zurückzuversetzen. Diese Sichtweise verdeutlicht auch ein Zitat aus dem Jahr 1939: „Goethe hat in ‚Dichtung und Wahrheit‘ und in der ersten Fassung von ‚Wilhelm Meister‘ sein Elternhaus so eingehend beschrieben, daß seine Wiedereinrichtung durch das Freie Deutsche Hochstift nicht schwierig war. Sie dürfte der des Goetheschen Hauswesens sehr nahegekommen sein, zumal zahlreiche Stücke aus Goetheschem Besitz in das Haus zurückkamen.“5 Ohne das Wort direkt zu gebrauchen, legt die Beschreibung nahe, daß es sich beim Goethehaus formal um eine Rekonstruktion gehandelt habe, die mit Hilfe schriftlicher Quellen den Eindruck der Goethezeit modellhaft nachvollziehbar zu machen suchte. Diese Einschätzung ist von zentraler Bedeutung, denn sie sollte wenige Jahre später, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, auch die zweite Nachschöpfung legitimieren. Im offiziellen Führer durch das Goethehaus, den Ernst Beutler nach der Wiedereröffnung 1952 vorlegte, erscheint daher die Zerstörung lediglich als Zwischenetappe vor einem verbesserten, „schöpferischen“ Wiederaufbau.6 Bevor die berühmte Wiederaufbaukontroverse untersucht werden soll, gilt es zunächst, die spezifischen Vorbedingungen zu klären, welche die Idee einer Rekonstruktion erst möglich machten: den Umgang mit der Frankfurter Altstadt und die Position des Architekten Theo Kellner.

Die Wahrnehmung des Goethehauses ist von den Musealisierungs- und Historisierungstendenzen der Frankfurter Altstadt ab 1900 nicht zu trennen. Das urbane Umfeld des Bauwerks hatte sich durch die Ausdehnung der Stadt, die Verdichtung der City und zahlreiche städtebauliche Interventionen bis zum Ersten Weltkrieg stark verändert.7 Gerade in Reaktion auf diese Entwicklungen, die die prosperierende Metropole Frankfurt zunehmend prägten, erfolgte der Historisierungsprozeß der Altstadt, getragen von Heimatforschern mit ausgeprägten publizistischen Ambitionen, die sich im „Bund tätiger Altstadtfreunde“ zusammenschlossen. Die Gruppe beeinflußte die lokale Politik genauso, wie die Rezeption der Frankfurter Altstadt als bedeutendstes und größtes zusammenhängendes Altstadtgebiet Deutschlands, das damals aus 4-5000 Wohnungen in etwa 2000 Fachwerkhäusern bestand, errichtet vom 15. bis zum 18. Jahrhundert.8 Nach dem Ersten Weltkrieg, besonders seit Ludwig Landmanns Tätigkeit für den Magistrat, erlangte der Umgang mit diesem Erbe zentrale politische Bedeutung. Die teilweise Entsiedlung auf einen hygienisch-„volksgesundheitlich“ verträglichen Maßstab und die sukzessive Sanierung des historischen Stadtkerns bildeten nun das direkte Pendant zu den Wohnungsbauvorhaben vor den Toren der Stadt, die unter dem Schlagwort „Das neue Frankfurt“ als Musterbeispiel für die Moderne im Wohnungsbau gelten.9 Erst dieser integrative Ansatz, der die soziale Problematik in den Vordergrund stellte und durch eine planerische Kopplung von Zentrum und Peripherie zu lösen suchte, machte auch die Neucodierung einer sanierten „Altstadt“ möglich: den Wandel vom düsteren Charme des einst zwielichtigen Milieus hin zur bildhaften Chiffre großer städtischer Vergangenheit. „Die Altstadt existiert nicht, sie ist vielmehr eine große Ideologie des Bundes tätiger Altstadtfreunde“, polemisierte daher der Feuilletonist Siegfried Kracauer 1925, als die erste Sanierungswelle der Altstadt begann.10 Trotz Kritik konnte der „Bund tätiger Altstadtfreunde“ schon 1931 weitreichende Veränderungen dokumentieren: die düsteren Ecken, Bordelle und Spelunken, die engen Hinterhöfe, der abblätternde Putz und nicht zuletzt die armen Menschen, die Carl Abt kurz nach der Jahrhundertwende fotografisch gebannt hatte, waren verschwunden. Jetzt, da der Fotograf Paul Wolff erneut Plätze und Gassen observierte, erschienen die Quartiere sauber, die Bauten frisch verputzt, die Schriftzüge über den Läden vereinheitlicht und manche neue Malerei auf die Fassaden angebracht, darunter etwa ein expressionistischer Totentanz am Pesthaus am Fünffinger-Plätzchen, der wie das Dekor zu einem Stummfilm wirkte.11 Wenngleich das Goethehaus von diesen Maßnahmen zunächst nur indirekt betroffen war, bekam es doch in Paul Wolffs Altstadtdokumentation mit sieben Einzelabbildungen den größten Raum für ein einzelnes Bauwerk. Dies repräsentierte auch die Bedeutung, die ihm mittlerweile auch auf wissenschaftlicher Ebene innerhalb der altstädtischen Denkmaltopographie zugerechnet wurde. Neben kulturgeschichtlicher Bedeutung, musealer Funktion und seiner schieren Größe galt das Goethehaus auch als wichtiges typologisches Beispiel für die Entwicklung des Frankfurter Wohnungswesens: als Hauptrepräsentant bürgerlicher Verhältnisse der Zeit um 1750 wurde es gleichzeitig Höhe- und Endpunkt der Entwicklung des lokalen Fachwerkbaus angesehen.12
Dieser Rang blieb auch unangezweifelt, als 1934 mit dem „Wettbewerb Altstadtsanierung“ eine zweite Welle altstädtischer Neustrukturierung begann, die nun vor großflächigen und wesentlichen Eingriffen nicht mehr zurückscheute. Was in den zwanziger Jahren eher die Ausnahme war, wurde nun, ähnlich wie auch in anderen deutschen Großstädten13, zur Norm. Straßendurchbrüche, Entkernung der Innenhöfe und vereinfachende Renovierungen wurden genauso durchgeführt wie die Freilegung des Fachwerks an den Fassaden, nachschöpfender Neubau oder Abbruch und Translozierung ganzer Bauten. Dieses systematische Ausschälen der Altstadt führte dazu, daß das Quartier als Wohnort unter weitgehend zeitgemäßen Bedingungen zurückgewonnen werden konnte. Gleichzeitig war jedoch die endgültige Musealisierung erreicht. Die Frankfurter Altstadt war zu einer Art Freilichtparcours geworden, mit einzelnen, besonders herausgestellten Exponaten, unter denen das Goethehaus in einem historischen Rundgang den Abschluß bildete. Dabei war durch die Maßnahmen mittlerweile auch das Umfeld des Großen Hirschgrabens tangiert. Auf dem Deutschen Städtetag in Halle 1937 erklärte Oberbürgermeister Krebs, daß die „Gesundung des Häuserviertels in der Nähe des Goethehauses, also einer durch die Geschichte und das Wirken unseres Olympiers geweihten Gegend […], allen Bedenken zum Trotz“ nur durch den vollständigen Abbruch zweier ganzer Straßenzüge zu erreichen sei, daß „Erneuerungen und Ausbesserungen in diesen zum größten Teil verfallenen und zur Bewohnung ungeeignet gewordenen Häusern keinen Zweck mehr haben, und daß nur ein Neubau in Frage kommt.“14 Die zunehmende Freistellung des Goethehauses durch die Veränderungen des städtebaulichen Umfeldes wurde damit gebilligt – sie sollte noch positiv in Ernst Beutlers Äußerung von 1952 mitschwingen, wenn er betonte, der Wiederaufbau sei gegenüber dem Vorkriegszustand „heller und heiterer“, da der Bau nun „kein Gegenüber mehr hat.“15
Nach ihrer nahezu vollständigen Zerstörung 1944 wurde die Frankfurter Altstadt nicht wieder aufgebaut. Für das Goethehaus, das rekonstruiert werden sollte, bedeutete dies die vollständige städtebauliche und architektonische Isolierung: Der Hirschgraben, gesäumt von schlichten Nachkriegsbauten, wurde durch die Verkehrsachse Berliner Straße etwa auf die Hälfte gekürzt. In seiner lokalhistorischen Bedeutung wurde der Bau jedoch gleichzeitig aufgewertet, denn das Goethehaus sollte nun als pars pro toto für die untergegangene Altstadt begriffen werden, wie Ernst Beutler am 10. April 1947 Oberbürgermeister Walter Kolb nahelegte: „Das alte Frankfurt ist zugrunde gegangen; es stehen von der mittelalterlichen Stadt nur noch einige Kirchen. Was gewesen ist, soll und kann nicht wieder ins Leben gerufen werden. Wir wollen aber in einem einzigen Hause beispielhaft zeigen, wie die Stadt als Ganzes ausgesehen hat, wie eine gotische Fassade aussah, wie Flur und Treppe und die Einrichtung der Zimmer gewesen, in denen unsere Vorfahren vor Jahrhunderten gewohnt haben, und wir wollen dazu diejenige Stätte bestimmen, die dadurch geweiht ist, daß sie der Raum war, in dem sich die Jugend des größten Deutschen abgespielt hat.“16 Auch in diesem Sinne konnte sich der Magistrat für eine Rekonstruktion des Goethehauses entschließen, während die Innenstadt konsequent nach den Prämissen der Moderne überformt wurde, andere zerstörte Bauwerke als Traditionsinseln verändert oder vereinfacht wiedererstanden.
Während der Diskussion um den Wiederaufbau des Goethehauses entwickelte sich die Paulskirche zum konzeptuellen Antipoden beim Umgang mit überkommener Bausubstanz. Im Falle einer Wahl Frankfurts zur provisorischen Hauptstadt der zukünftigen Bundesrepublik hätte der Sakralbau die Funktionen des Parlamentes aufnehmen sollen.17 Dieser Funktionswechsel hin zur profanen Versammlungsstätte legitimierte die interpretierenden, von den älteren Bauteilen unterscheidbaren Veränderungen beim Wiederaufbau, die besonders von den Vertretern der Frankfurter Baubehörde als vorbildlich eingestuft wurden. Ernst Beutler sah für das Goethehaus indes keine Bedeutungsverschiebung vor, der Bau sollte Gedenkstätte und Museum bleiben und daher originalgetreu wiederaufgebaut werden. Bei der Durchführung dieses Projekts entschied er sich für einen Planer, der in Frankfurt völlig unbekannt war. Auf welche Weise Beutler auf den Erfurter Architekten Theo Kellner (13. April 1899 bis 26. Februar 1969) aufmerksam wurde, läßt sich nicht mehr ermitteln.18 Kellner mußte jedoch insofern geeignet erscheinen, als er, analog zu den „denkmalpflegerischen“ Modi im Umgang mit der Frankfurter Altstadt, seit den dreißiger Jahren zu den Vertretern einer sog. „schöpferischen Denkmalpflege“ gehörte.
Zunächst Student am Weimarer Bauhaus bei Lionel Feininger und Mitglied der avantgardistischen Künstlervereinigung „Jung-Erfurt“ hatte Kellner an der Technischen Hochschule Charlottenburg bei Hans Poelzig und Herrmann Jansen studiert und dann ein Jahr für den bedeutenden Kirchenbauer Otto Bartning gearbeitet. Zwischen 1926 und 1930 unterhielt er mit seinem Kollegen Felix Hinssen ein Büro in Erfurt. Die Projekte der Gemeinschaft, mustergültig repräsentiert durch das AOK-Gebäude in der Erfurter Augustinerstraße (1930), adaptierten die kubische Formensprache der „Weißen Moderne“. Trotz dynamischer Fensterbänder, flacher Dächer und aufgeständerter Bauvolumina verstanden es Hinssen und Kellner, ihre Bauten in die Altstadt einzufügen, indem sie mit symmetrischen Fronten und Natursteinverkleidung arbeiteten, das Vokabular der Moderne mit den Grundsätzen der Tektonik verbanden und kontextualisierten.19 Nach der Trennung von Hinssen begann Kellner seine denkmalpflegerische Arbeit, darunter vor allem die Restaurierung der großen mittelalterlichen Sakralbauten Erfurts. 17 Kirchen wurden unter seiner Leitung gesichert, renoviert und instandgesetzt, wobei Kellner das „historische“ Weiterbauen auf der Basis von Bauforschung als probates Mittel ansah. Hierfür hatte er eine differenzierte, dem jeweiligen Gegenstand angepaßte Herangehensweise entwickelt.20 Im Falle der Kirche St. Severi – das kunsthistorisch bedeutendste Bauwerk, dem sich Kellner annahm – und der Klosterkirche der Augustiner, bestand die Arbeit zunächst in der Reaktion auf die historisierenden Überformungen des 19. Jahrhunderts, die als historisch inkorrekt und ästhetisch unbefriedigend galten. Kellners Bereinigung bestand im Rückbau, der Annäherung an einen „mittelalterlichen“ Bauzustand der gotischen Gotteshäuser. Besonders bei der Augustinerkirche schien Kellner auch eine regelrechte „Nachschöpfung“ angemessen, die sich, auf Basis damaliger Erkenntnisse der Bauforschung, gewisse Freiheiten herausnahm. Eine rein spekulative Umformung vorhandener Bausubstanz schlug Kellner 1942 bei der „Ausgestaltung der Festung Petersberg zur Stadtkrone“ vor. Die romanische Kirchenruine sollte unter erheblichen strukturellen Eingriffen zur „Ehrenhalle“ ausgebaut werden. Wenngleich sich die späteren Planungen für die Erfurter Stadtsanierung (1946) und den Wiederaufbau der „Alten Universität“ (1947) wieder am Befund orientierten zeigt Kellners Bandbreite denkmalpflegerischer Modi deutlich, daß er im Verständnis der dreißiger bis fünfziger Jahre als Vertreter einer „schöpferischen Denkmalpflege“ einzuordnen ist. In diese Kategorie fällt auch seine Bemühung um den Wiederaufbau des Goethehauses, die im Februar 1948 begann, wenngleich es nach der Zerstörung kaum Substanz zu erhalten gab und der gesamte Bau von Grund auf „eine schöpferische Nachbildung des Geburtshauses“21 Goethes war. Obwohl aus heutiger Sicht an Kellners Ansatz vor allem die zeitgebundene Dimension auffällt, so erstaunt doch die Akribie, mit der er die Nachahmung des Verlorenen betrieb, historische Techniken anwenden ließ und geborgene Spolien einsetzte. So stammte der verwendete Mainsandstein aus dem gleichen Steinbruch in Groß-Heubach wie schon die Materialien des zerstörten Bauwerks.22 Sogar „[…] noch stehende Erdgeschosse alter Häuser […] sollen an den Hirschgraben verbracht und dort erstellt werden.“23
Für die Annäherung an den Zustand vor seiner Zerstörung hätte Kellner allein seine praktische Erfahrung im Umgang mit Denkmalen nicht genügen können. Zwar mochte das Goethehaus in zahlreichen Bildern überliefert gewesen sein – für die zweite Rekonstruktion hatte man also mehr konkretes Material als für die auf Goethes Selbstaussagen beruhende erste. Ohne aber eine planerische Grundlage, die Proportionen, Maße und Details verzeichnete, wäre die Vorplanung zur Rekonstruktion sicher kaum derart reibungslos verlaufen. Auf „Vorarbeiten und Zurüstungen“ (R. A. Schröder) konnte Kellner tatsächlich zurückgreifen: Bei einer Bauaufnahme 1939 hatte der 1946 verstorbene Architekt des Freien Deutschen Hochstifts, Fritz Jousseaux, Plansätze angefertigt.24 Vor allem aber zahlreiche Detailzeichnungen, die auf Beutlers und Jousseaux‘ Initiative vor der befürchteten Zerstörung von Studenten der Städelschule angefertigt wurden, hat Kellner auswerten können. Man darf annehmen, daß auch Beutlers Wiederaufbauabsichten ohne das Jousseaux’sche Material niemals konkret hätten werden können. Auf dieser Grundlage ließ Kellner neue Pläne zeichnen25 und überwachte die Ausführung der Wiederaufbauarbeiten, dabei immer unterstützt durch einen umtriebigen Ernst Beutler, der sogar versuchte, „authentisches“ Material für das Goethehaus aus Schweden zu beziehen.26
Die Rekonstruktion verband Kellner mit einer Modernisierung. Unsichtbare Heizkörper, neue Elektrik und Rohrleitungen wurden in das Goethehaus eingebaut, die gesamte Holzfachwerkkonstruktion gegenüber dem Zustand vor der Zerstörung ins Lot gerückt und mit Stahlträgern – die schon einmal 1931 aufwendig eingezogen worden waren – ausgesteift.27 Der Dichter Rudolf Alexander Schröder, der sich frühzeitig für die originalgetreue Rekonstruktion ausgesprochen hatte, sprach dennoch im Oktober 1951 von „Treue im kleinsten“ und lobte „die unermüdliche Hingabe an jedes auch das scheinbar unwesentlichste Detail einer Arbeit, die in ihrer Gänze schweren, verantwortungs- und entsagungsvollen Dienst und Verzicht auf […] eigene Willkür bedeutet hat, schweren Dienst, doppelt schwer für den ans eigene Schaffen und Schalten gewohnten Künstler.“28

Die geschilderten Zusammenhänge von Bau und Wiederaufbau des Goethehauses standen freilich nicht für sich, sondern waren beinahe von Beginn an Gegenstand öffentlicher Diskussionen um die Legitimität eines solchen Vorhabens. Während Beutlers Bemühungen um den Stammsitz des Freien Deutschen Hochstifts in den Kriegs- und Nachkriegswirren nur wenig Beachtung fanden, erhielt das Projekt nur allzu bald ungewollte Aufmerksamkeit, als es darum ging, die avisierte Rekonstruktion im bis zu siebzig Prozent zerstörten Frankfurt in die Planungen des gesamtstädtischen Wiederaufbaus einzugliedern. Zwar war das Freie Deutsche Hochstift von den Stadtbehörden institutionell unabhängig, dennoch aber wäre der planerische Alleingang unmöglich gewesen. Seit dem ersten Aufruf an die Mitglieder des Freien Deutschen Hochstifts im Mai 1944 hatte Beutler beharrlich am originalgetreuen Wiederaufbau festgehalten. Als im Mai 1946 das an achtzehn Standorten außerhalb der Stadt ausgelagerte Inventar des Goethehauses nach Frankfurt zurückkam, um zunächst in einem Bunker zwischengelagert zu werden, erklärte Beutler öffentlichkeitswirksam der Presse, diese Gegenstände könnten für ihn nur in einem neuen Haus an gleicher Stelle unterkommen, einem Haus, wohlgemerkt, das dem zerstörten gleiche.29
Im Weg standen dabei zunächst Formalitäten. Die geplante Rekonstruktion wurde vom Magistrat baurechtlich als Neubau eingestuft, mußte daher von den Alliierten und vom Stadtplanungsamt genehmigt werden. Ernst Beutler berief sich dabei nicht auf planerische Kriterien, sondern versuchte, den kulturpolitischen Stellenwert des Goethehauses zu verdeutlichten: „Wir Deutschen haben alle nationalen Gedenkstätten verloren, die das in Zonen zerrissene Volk einen könnten; umsomehr müssen wir pflegen, was uns geblieben ist. […] Das Goethehaus ist entschuttet, mit dem Wiederaufbau der Rückseite ist begonnen. […] Um nun über die endgültige Planung Klarheit schaffen zu können, ist es nötig, daß kein Zweifel daran besteht, daß der Große Hirschgraben ebenso wie der Römerberg städteplanmäßig ein Gebiet von geschichtlich so bedeutungsvoller Überlieferung ist, daß an ihm als an einer via sacra der Stadt nicht gerührt werden darf.“30 Während die Amerikaner die Bedeutung des Projektes gerade für einen demokratischen Neuaufbau Deutschlands erkannten, standen die Stadtplanungsbeamten dem Vorhaben von Anfang an skeptisch gegenüber. Mit Baudirektor Werner Hebebrand und Stadtbaurat Eugen Blanck beherrschten zwei entschiedene Vertreter der Avantgarde die Planungspolitik; beide hatten schon in den zwanziger Jahren unter dem damaligen Magistratsbaurat Ernst May für die Stadt Frankfurt gearbeitet, Hebebrand war Ende der zwanziger Jahre mit May nach Moskau gegangen.31 Nun erneut in die Stadtplanung eingebunden, förderten sie einen Städtebau der Moderne, wie er beispielhaft in der „Charta von Athen“ (1933) formuliert worden war.32 Die funktionale, infrastrukturelle Entflechtung, eine umfassende Restrukturierung von Stadtkern und Randgebieten, ging von großflächigen idealen Überlegungen auf der enttrümmerten Altstadt aus, die eine kulturhistorische „Via sacra“ nicht vorsah.
Schnell waren die Fronten zwischen dem engagierten Geisteswissenschaftler Beutler und den Architekten verhärtet. Es kam zur offenen Eskalation. Mit Hilfe des wiedergegründeten Deutschen Werkbundes versammelten die Planer prominente Stimmen gegen einen Wiederaufbau. In der Zeitschrift „Baukunst und Werkform“, 1947 als Sprachrohr progressiver Architekten eingerichtet, erschien ein manifestartiger Aufruf, der kategorisch feststellte: „Der Zusammenbruch hat die sichtbare Welt unseres Lebens und unserer Arbeit zerstört. Mit einem Gefühl der Beifreiung glaubten wir damals, wieder ans Werk gehen zu können. Heute nach zwei Jahren erkennen wir, wie sehr der sichtbare Einsturz nur Ausdruck der geistigen Zerrüttung ist, und könnten in Verzweiflung verharren. Wir sind auf den Grund der Dinge verwiesen, von da aus muß die Aufgabe neu begriffen werden.“ Die physische Zerstörung als bildhafter Ausdruck moralischer Zerrüttung durch den Nationalsozialismus sollte daher zu einer grundsätzlichen Revision des abendländischen Wertekanons führen – die affirmative Rückkoppelung auf Goethe mußte sich in jeder Weise verbieten. Die Schlußfolgerung lautete daher: „Das zerstörte Erbe darf nicht historisch rekonstruiert werden, es kann nur für neue Aufgaben in neuer Form entstehen.“33 Neben Blanck und Hebebrand unterzeichneten diesen Aufruf auch weitere Personen, die mit dem Frankfurter Geschehen vertraut waren, darunter der Publizist und Theologe Walter Dirks, dessen berühmter Text „Mut zum Abschied“ die Position der Rekonstruktionsgegner entscheidend beeinflußt hatte.
Die Frankfurter Stadtverwaltung bat Walter Dirks selbst noch einmal um eine unabhängige Stellungnahme. Eindrucksvoll faßte er seine Thesen zusammen, nach der der Wiederaufbau eine „zentrale Lüge“ sei. „Lassen Sie sich durch die Zustimmung vieler, auch guter Stimmen nicht täuschen. Die Haltung, die wirklich groß und Goethes würdig ist, heißt: das Schicksal annehmen, Ja dazu sagen; gefallen sein lassen, was gefallen ist; die Kraft zum Abschied haben, zum unwiderruflichen Abschied, sich selbst und niemanden in frommer Täuschung vorschwindeln wollen, daß das Goethehaus eigentlich doch noch da sei: es ist nicht mehr da, und wenn es nachgeahmt wird, so ist es nicht einmal mehr im Geiste da. […] Man braucht keinen Betonkasten hinzusetzen. Man kann sich die überaus heikle Aufgabe gut überlegen. Man kann auch im Planen selbst behutsam, ja zärtlich vorgehen, – aber zugleich wahrhaftig. Man kann einen noblen Bau in den Proportionen des alten errichten und alles, was wirklich erhalten ist, darin verwenden: das wäre gültig und recht und hätte Bestand und ließe sich auch denen zumuten, welchen die Pietät über alles geht. Es wäre ehrfürchtig und ehrlich zugleich.“34
Ernst Beutler hatte nahezu gleichzeitig seinerseits versucht, in einer großangelegten Rundfrageaktion prominente internationale intellektuelle Fürsprecher zu gewinnen, um sich die geeignete Rückendeckung für das Wiederaufbauvorhaben zu verschaffen. Ihre Antworten erreichten das Freie Deutsche Hochstift zwischen März und April 1947, darunter das Schreiben des Nobelpreisträgers von 1946, Hermann Hesse, der sich ähnlich wie André Gide enthusiastisch für die Rekonstruktion aussprach. Als der Frankfurter Magistrat am 19. April 1947 zusammentraf, um endgültig über den Wiederaufbau des Goethehauses zu beschließen, hatte Beutler sämtliche schriftlichen Reaktionen auf seine Umfrage bereits der Stadtverwaltung zur Kenntnis gegeben.35 Damit konnte er, so legt die Entscheidung nahe, verdeutlichen, daß das Goethehaus nicht als Gegenstand lokaler Planungspolitik sondern internationaler kulturpolitischer Relevanz zu behandeln sei – mithin eine dezidiert symbolische Entscheidung fordere. Das Protokoll zur Abstimmung im Magistrat vermerkt: „Es wurde beantragt zu beschließen: das Goethehaus wird wieder aufgebaut an der alten Stelle und in der alten Form unter Beibehaltung des Grossen Hirschgrabens bis zum Jahre 1949. Es wurde festgestellt, Bauherr sei das Hochstift, dem allein die Wahl des Architekten zusteht. Herr Stadtbaurat Blanck wünschte die Auslassung der Worte ‚in der alten Form‘. Trotzdem wurde der Beschluß in der alten Weise gefaßt. Die einzige Stimme dagegen war die des Stadtbaurats Blanck.“36 Daß es tatsächlich symbolpolitische Gründe waren, die zur Aufgabe eines ganzheitlichen Wiederaufbaus und zur Rekonstruktion des Goethehauses führten, zeigte sich in den frühzeitig etablierten Deutungsmustern des Projektes. Das Bauwerk wurde zum Zeichen eines gesellschaftlichen Wiederaufbaus erklärt, der den Traditionslinien des bürgerlich geprägten Humanismus eingedenk bleiben und ein historisches Fundament der Demokratie bilden sollte. Drei Monate nach der Entscheidung im Magistrat, am 5. Juli 1947, formulierte Walter Kolb anläßlich der Neuweihe des erhalten gebliebenen Grundsteins: „Dieses Haus [möge] eine Stätte des Friedens, der Verständigung der Nationen im Geist sein […], im Zeichen Johann Wolfgang Goethes und seines Glaubens an die völkerverbindende Kraft der Kunst und der Gesinnung reiner Menschlichkeit.“37
Die Weihe war zugleich Auftakt der Vorarbeiten für den Wiederaufbau, die unter anderem durch Spenden der Alliierten und der Philipp Holzmann AG und aus Mitteln des Freien Deutschen Hochstifts bezahlt wurden. Nach zügigem Baufortschritt konnte das Bibliotheksgebäude seit 1947 wieder benutzt werden, Gartensaal, Ausstellungsräume und Lichthof waren bis 1949 aufgebaut worden. Im Februar 1947 stand auch das erste Stockwerk des Goethehauses, bis Ostern sollte es unter Dach sein, damit im Herbst oder Winter mit dem Ausmauern des Fachwerks begonnen werden konnte. Am 30. Juni 1948 war jedoch das Budget erschöpft, eine von Beutler erhoffte Unterstützung durch den Magistrat blieb aus und die Rekonstruktion geriet ins Straucheln.38 Nach der doppelten Staatsgründung 1949 aber, in der auch das geteilte Erbe instrumentalisiert zu werden drohte, wirkten sich noch einmal politische Überlegungen auf den Bau aus. Wieder war es Ernst Beutler, der die Befürchtungen aufnahm, indem er am 31. Dezember 1949 beim Kulturpolitischen Ausschuß in Bonn um Bundesmittel warb: „In Weimar sind alle Goethestätten, die auch weithin zerstört waren, unter dem Einfluß der russischen Regierung wieder hergestellt worden. In Frankfurt liegen die Verhältnisse noch sehr im Argen. Der Grund ist der, daß die Weimarer Institute Staatsinstitute sind, das Freie Deutsche Hochstift aber eine gemeinnützige private Stiftung ist. In der Ostzone wird jetzt der größte Wert darauf gelegt, Goethes Bild so zu zeigen, daß es in die kommunistische Ideologie sich einfügt.“39 Die Rivalitäten um Goethe zwischen Frankfurt und Weimar, die seit dem 19. Jahrhundert bestanden, betrafen nun auch den Wiederaufbau. Die Rekonstruktion des „Urbino-Zimmers“ im teilzerstörten Goethehaus am Weimarer Frauenplan konnte mit Unterstützung der sowjetischen Besatzungsbehörden rasch vorangetrieben worden. Beutler versuchte, die Symbolwirkung dieser Aktivitäten innerhalb der Konkurrenz der Systeme zu verdeutlichen, um die Deutungshoheit des historischen Erbes für die Demokratie zu beanspruchen. Das Kalkül ging auf: Die Bundesrepublik übernahm einen Teil der Baukosten des Frankfurter Goethehauses. Gleichzeitig wurde, als Ausdruck des neuen Paktes, zum 28. November 1949 Bundespräsident Theodor Heuss die Ehrenschirmherrschaft über das Freie Deutsche Hochstift und das Goethemuseum übertragen. Noch zwei Jahre später, bei der feierlichen Einweihung des fertiggestellten Baus am 10. Mai 1951, kam Heuss auf die deutsch-deutschen Rivalitäten zu sprechen: „Heuss lenkte in seiner Ansprache den Blick auf das Goethehaus in Weimar (Sowjetzone), in dem den Besucher ein Gefühl des Frostes befalle, Goethe in einer Umgebung zu wissen, in der der Mensch genormt werden soll. Demgegenüber müsse das Frankfurter Goethehaus eine Stätte sein, die die seltene Tugend des Denkenkönnens zur Herberge wähle.“40 Der kalte Krieg hatte damit einen letzten Anstoß zum Wiederaufbau des Goethehauses geliefert.
Theodor Heuss besiegelte in seiner Rede nicht allein das Verhältnis von Goethe-Gedenkstätte, humanistischer Tradition und bundesdeutscher Demokratie, sondern nutzte die Gelegenheit, um auch die Wiederaufbau-Kontroverse zu resümieren: „Ich kenne einen Teil der polemischen Diskussion über all solches Restaurierungsbedürfnis mit seiner Gefahr, das einmal Lebendige im bloß Musealen zu banalisieren. Man muß die Motive im Grundsätzlichen wie im Konkreten durchaus würdigen. Aber ich glaube, die Dinge, die einmal lebhaften Streit verursachten, sind schon ‚den Bach hinunter‘ und schon Stück der Vergessenheit geworden. Aus einem ganz einfachen Grund: Das Haus steht da, die Leistung spricht und wirbt für sich selber.“41 Dieses Schlußwort zur kulturpolitischen Auseinandersetzung um die Möglichkeiten und Grenzen des Wiederaufbaus beendete frühzeitig eine Debatte, die auch auf allgemeiner Ebene in Deutschland nie geführt wurde. Gerade deshalb wirkt der „Fall Goethehaus“ bis heute nach und wird nach Interessen verschieden beurteilt und interpretiert. Die genaue Untersuchung zeigt jedoch, daß der Frankfurter Wiederaufbau nicht ein Paradigma darstellt, sondern als Einzelfall zu werten ist, zu sehr war das Projekt mit den spezifischen Vorbedingungen, der Institution Freies Deutsches Hochstift, dem Architekten, dem Umgang mit der Altstadt und nicht zuletzt den politischen Rahmenbedingungen verknüpft. Paradigmatisch mag das wiederaufgebaute Goethehaus einzig auf der Rezeptionsebene erscheinen, wird es doch von zahlreichen Besuchern nicht als museal und architektonisch rekonstruierte Stätte, sondern als authentischer Ort der Goethezeit aufgefaßt. Nur wohlfeil erscheint es daher, die Hintergründe des heutigen Bauwerks am Ort kenntlich zu machen, auf die Bedeutung des Ursprungsbaues genauso hinzuweisen, wie auf die neue historische Schicht im Gewande einer älteren. Denn viel stärker als vom ausgehenden achtzehnten Jahrhundert zeugt das Haus von der Nachkriegszeit des zwanzigsten. Als Zeugnis und eigenständiger Beitrag dieser Epoche verdient der Bau Anerkennung, als solches verkörpert er in sich selbst einen eigenen Wert.
Dank an Dr. Dietmar Pravida und Dr. Joachim Seng vom Freien Deutschen Hochstift Frankfurt am Main für die Möglichkeit der Auswertung des bisher unpublizierten Plan- und Quellenmaterials zum Goethehaus.

Erstmals erschienen in: „Die Alte Stadt“. Vierteljahreszeitschrift für Stadtgeschichte, Stadtsoziologie, Denkmalpflege und Stadtentwicklung. 33. Jahrgang, 2006, Heft 4, S. 317-330. Wiederveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors

Anmerkungen:

1 C. Welzbacher, „Ruinenwert“ und „Reichsehrenmal“, in: Kritische Berichte, 2 (2005), S. 69-72.

2 Mit dem Bau beschäftigte sich zuletzt P. Hagen Hodgson, Wandlungen, Verwandlungen. Zur Architektur-Geschichte der Frankfurter Goethestätten, in: Goethehaus – Goethe-Museum. Gegenwärtige Vergangenheit. Das Freie Deutsche Hochstift hundert Jahre nach der Gründung des Frankfurter Goethe-Museums, Frankfurt am Main 1997, S. 52-79.

3 Vgl. das unpublizierte Tagebuch Beutlers im Besitz des Freien Deutschen Hochstifts, in dem er notiert, die Wiederaufbauabsicht bereits am 9. April 1944 mit dem Architekten des Hochstifts, Fritz Jousseaux, besprochen, die Absicht am 14. April gegenüber Vertretern der Stadt geäußert zu haben. Am 26. April erschien der Aufruf an die Mitglieder des Freien Deutschen Hochstifts, der das Vorhaben offiziell verkündete. Vgl. auch E. Beutler, Dank an Willy Lauer, Frankfurt am Main 1960, S. 14.

4 E. Beutler, Goethehaus Frankfurt am Main. Freies Deutsches Hochstift. Frankfurter Goethemuseum, Frankfurt am Main 1955, S. 2.

5 F. Lübbecke, Frankfurt am Main, Leipzig 1939, S. 218. Vgl. auch C. Perels, Bauen und Wiederaufbauen, in: ders. (Hrsg.), Ernst Beutler 1885-1960. Frankfurt am Main 1985, S. 17-41, der Ernst Beutler 1926 zitiert: „Die Wiedereinrichtung des Goethehauses gilt als abgeschlossen.“ (S. 18)

6 Die neue Zeitung, 9.Mai 1951: „Funkelnagelneu, in beängstigendem Kontrast zu seiner Umgebung, erhebt sich das fertige Goethehaus aus dem Großen Hirschgraben, von dem im übrigen kein Stein mehr auf dem anderen stehengeblieben ist. Die Bauherren selbst […] kennzeichnen ihr Werk als eine ‚schöpferische‘ Nachbildung des Geburtshauses.“

7 Empfindlichster Einschnitt war der Durchbruch der Braubachstraße 1903-1909. Vgl. E. Klar, Die Entwicklung des Wohnungswesens von 1890-1914, in: Das Wohnungswesen 1930, S. 55-91, hier: S. 72-75.

8 Einen Überblick bietet C. Mohr, Versöhnliche Moderne. Die neu/alte Altstadt, S. 26-37, in: D. Bartetzko (Hrsg.), Sprung in die Moderne. Frankfurt am Main in den fünfziger Jahren, Frankfurt am Main, New York 1994.

9 Landmann, 1917 Dezernent im Wohnungsamt, 1919 im Wirtschaftsamt, gründete für die organisatorische Bündelung des Stadtumbaus ein städtisches Siedlungsamt. W. Nosbisch (Hrsg.), Das Wohnungswesen in Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1930; C. Mohr und M. Müller, Funktionalität und Moderne. Das Neue Frankfurt und seine Bauten 1925-1933, Köln, Frankfurt 1984, S. 25-34; G. Kuhn, Wohnungskultur und kommunale Wohnungspolitik in Frankfurt am Main 1880-1930. Auf dem Wege zu einer pluralistischen Gesellschaft der Individuen, Bonn 1998.

10 „Die Nichtexistenz der Altstadt. Eine philosophische Deduktion“, in: B. Elkan (Hrsg.): Römer-Maske. Eine Festschrift phantastischer Satire und satirischer Phantasie, Frankfurt am Main 1925, abgedruckt in: W. Klötzer (Hrsg.): Die Frankfurter Altstadt. Eine Erinnerung, Frankfurt am Main 1983, S. 115-117, hier S. 116. Zum Umgang mit Altstädten: C. Meckseper, Wie historisch ist die Altstadt?, in: S. Bock (Hrsg.), Denkmal, Raum und Zeit. Neue Beiträge zur Denkmalpflege. Hermann Wirth zum 60. Geburtstag, Schwerin 2000, S. 83-90 und F. Kaspar, Altstadt – wissenschaftliche Fiktion oder sentimentales Bild?, in: Die alte Stadt, 4 (1999), S. 300-315.

11 F. Lübbecke, Alt-Frankfurt. Ein Buch für seine Freunde in der Heimat und in der Fremde, Frankfurt am Main 1931, S. 43.

12 W. Nosbisch (Hrsg.), Das Wohnungswesen in Frankfurt am Main, Frankfurt 1930, S. 9-54, hier S. 48. J. Hülsen, Die Baudenkmäler Alt-Frankfurts, in: Lehrerverein zu Frankfurt (Hrsg.), Frankfurt. Einst und jetzt, Frankfurt am Main 1931, S. 70-83, hier S. 81.

13 Beispiele sind Danzig, Hamburg (Sanierung der „Gängeviertel“) oder Köln. B. Pusback, „Heimatpflege in der Stadt. Denkmalpflegerische Konzepte der Altstadterhaltung und -wiederherstellung in den Jahren 1933 bis 1939, in: A. Langer (Hrsg.), Der Umgang mit dem kulturellen Erbe in Deutschland und Polen im 20. Jahrhundert, Warschau 2004, S. 107-129.

14 „Altstadtgesundung als Kulturaufgabe deutscher Gemeinden“. Vortrag des Oberbürgermeisters Friedrich Krebs auf der Kulturtagung des Deutschen Städtetages, Halle, 13. Nov. 1937, abgedruckt in: W. Klötzer (Hrsg.), Die Frankfurter Altstadt. Eine Erinnerung, Frankfurt am Main 1983, S. 255-264; Zitat S. 262. Zahlreiche Maßnahmen sind auch dokumentiert in: Beilage zum „Baumeister“, 10 (1936), S. 205-209; Deutsche Bauzeitung, 37 (1938), S. 1019-1023; Monatshefte für Baukunst und Städtebau, 2 (1939), S. 65-72; Die Siedlung, 2 (1938).

15 E. Beutler, Goethehaus Frankfurt am Main. Freies Deutsches Hochstift. Frankfurter Goethemuseum, Frankfurt am Main, 1955, S. 2.

16 Magistratsakten. Sign. 8.116. (Alte Aufschrift: Stadtkanzlei. Goethehaus, Goethe-Museum. 1930-1947), Schreiben Freies Deutsches Hochstift an Kolb, 10. April 1947 (unpag. Zit aus Schreiben S. 1 und 2)

17 Baukunst und Werkform Heft 2, 2. Jg., 1949, S. 101. Weiterhin: D. Bartetzko, Denkmal für den Wiederaufbau Deutschlands. Die Paulskirche in Frankfurt am Main, Königstein 1998.

18 Beutler verweist in seinem Tagebuch am 23. Februar 1948 auf ein erstes Treffen mit Kellner, bei dem der Architekt Pläne für den Wiederaufbau vorlegte. Ein selbstverfaßter Lebenslauf Kellners hat sich in der dünnen Personenakte im Stadtarchiv Frankfurt erhalten. Ein Nachruf erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 5. März 1969. Weitere Projekte Kellners in Frankfurt waren der Wiederaufbau der Katharinenkirche (1949-1951), der Peterskirche und der Bau des Goethemuseums (beide 1950-54). Beim Wettbewerb für den Wiederaufbau der Paulskirche hatte Kellner den dritten Preis erhalten.

19 Bauwelt Heft 37, 1930, S. 1-3. Weiterhin: M. R. Möbius, Kellner und Hinssen. Aus dem gemeinsamen Schaffen, Wien, Berlin 1930. Hinssen war später maßgeblich am Wiederaufbau der Berliner katholischen Kirchen beteiligt. Siehe: Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (Hrsg.), Berlin und seine Bauten, Teil VI, Sakralbauten, Berlin 1997.

20 M. Escherich, Beispiele des Umgangs mit mittelalterlichen Sakralbauten im Erfurt der NS-Zeit – „Auch hier ist also bewußt die Kirche ausgeschaltet“, in: Ders., C. Misch, R. Müller (Hrsg.), Erfurt im Mittelalter. Neue Beiträge aus Archäologie, Bauforschung und Kunstgeschichte, Berlin 2003, S. 291-311. Grundlegend: T. Scheck, Denkmalpflege und Diktatur, Berlin 1995; U. Clemens-Schierbaum, Mittelalterliche Sakralarchitektur in Ideologie und Alltag der Nationalsozialisten, Weimar 1995 und S. Fleischner, Schöpferische Denkmalpflege. Kulturideologie des Nationalsozialismus. Positionen der Denkmalpflege, Münster 1999.

21 Kulturamt Frankfurt Sign. 1.004. Freies Deutsches Hochstift. 1948-1955, Pag. 93-94: Wortlaut der vom Magistrat ausgesprochenen Einladung, weitere Kopie pag 121-123, durch Walter Kolb signiert.

22 Allgemeine Zeitung, Mainz, 10.11.1948, „Hirschgraben Nr. 23. Wiedergeburt des Frankfurter Goethehauses“.

23 Brief Beutlers an den Stadtverordneten Josef Auth (Abschrift) vom 15. Oktober 1947, Archiv des Freien Deutschen Hochstifts, Dritter Ordner: „Stimmen für und gegen den Wiederaufbau“.

24 Zu Jousseaux existieren weder im Freien Deutschen Hochstift noch im Stadtarchiv Frankfurt Materialien.

25 Die Pläne befinden sich im Archiv des Freien Deutschen Hochstifts, Konvolut GH 8a. Die Sammlung besteht aus den von Jousseaux gefertigten Plansätzen der Innenräume vom Mai/Juli/August 1944 und der Grundrisse, Aufrisse, Schnitte und Fassadenansichten vom Januar 1945, sowie den von Theo Kellner gefertigten Plansätzen vom August 1947 und Januar/Februar 1948 (mit Marke „Philipp Holzmann“) und den Plänen für den Einbau der Heizung 1950.

26 Brief Beutlers an Prof. Dr. Willi Hartner, 11. Juli 1947 (Abschrift) im Ordner „Stimmen für und gegen den Wiederaufbau“, Archiv des Freien Deutschen Hochstifts. Beutler hatte auch überlegt, Holz aus der Schweiz zu bekommen. Den genauen Materialbedarf listete Fritz Jousseaux im Namen Beutlers am 10. Januar 1946 in einem Schreiben an den Frankfurter Bezirkskonservator Dr. Zimmermann auf, das sich im gleichen Konvolut befindet.

27 Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 10.3.1950: „Das Goethehaus mit Dampfheizung“; Neue Bauwelt, 1949, H. 43, S. 681 und Baukunst und Werkform Heft 2, 2. Jg., 1949. S. 13-15.

28 „Le temps revient“. Zum wiedergekehrten Frankfurter Goethehaus. Von Rudolf Alexander Schröder. Aus: Das literarische Deutschland, 20. Okt. 1951, S. 8.

29 Frankfurter Rundschau vom 11. Januar 1946: „Pläne um das Goethehaus. Die Heimkehr des Geretteten“

30 Archiv des Freien Deutschen Hochstifts, Ordner „Stimmen für oder gegen den Wiederaufbau“. Brief Ernst Beutlers an Baudirektor Hebebrand, 21. Oktober 1946. Siehe auch den Brief Beutlers an Eugen Blanck vom 14. März 1947 im gleichen unpaginierten Konvolut.

31 H. Bodenschatz und C. Post (Hrsg.), Städtebau im Schatten Stalins. Die internationale Suche nach der sozialistischen Stadt in der Sowjetunion 1929-1935, Berlin 2003.

32 Zum Verhältnis von Moderne und Wiederaufbau: C. Welzbacher, Die stilisierte Moderne, in: T. Scheer, J. P. Kleihues und P. Kahlfeldt (Hrsg.), Berlin – Stadt der Architektur 1900-2000, Berlin 2000, S. 271-279. Zum Wiederaufbau von Frankfurt am Main: K. von Beyme, Frankfurt. Stadt mit Höhendrang, in: K. von Beyme, W. Durth, u.a. (Hrsg.), Neue Städte aus Ruinen. Deutscher Städtbau der Nachkriegszeit, München 1992, S. 197-216.

33 Baukunst und Werkform. Heft 1. Ein Querschnitt. 1947, S. 29. Die Antithese zu dieser Argumentation – die Bedeutung Goethes als humanes Bildungsgut, das durch den Nationalsozialsozialismus nicht korrumpiert werden konnte und daher für die geistige und moralische Restitution Deutschlands grundlegend sein sollte – faßt zusammen: M. Nutz, Restauration und Zukunft des Humanen. Zur westdeutschen Goethe-Rezeption von 1945 bis 1949, in, K. Richter und J. Schönert (Hrsg.), Klassik und Moderne. Die Weimarer Klassik als historisches Ereignis und Herausforderung im kulturgeschichtlichen Prozeß, Stuttgart 1983, S. 457-481.

34 Stadtarchiv Frankfurt, Magistratsakten. Sign. 8.116. (Alte Aufschrift: Stadtkanzlei. Goethehaus, Goethe-Museum. 1930-1947) Schreiben von Walter Dirks an den Oberbürgermeister Walter Kolb vom 18.4.1947 (handschriftlich und Abschrift).

35 Das Konvolut, in dem zahlreiche Meinungsbekundungen gesammelt sind, ist in mehreren Abschriften enthalten im Stadtarchiv Frankfurt. Kulturamt. Signatur 859, Korrespondenz des Stadtrats 1945-58, beginnend mit pag. 35. Beutler band die Befürworter des Wiederaufbau umgehend in das Vortragsprogramm des Hochstifts ein. Bettina Meier, Goethe in Trümmern. Zur Rezeption eines Klassikers in der Nachkriegszeit, Wiesbaden 1989, S. 28-43 wertet einen Teil der Stimmen für und wider den Wiederaufbau aus.

36 „Bericht über die Sitzung des Magistrats am 19. April 1947 in der Lindenstraße“, Abschrift im Archiv des Freien Deutschen Hochstifts, Ordner III. Siehe weiterhin das Dankesschreiben Beutlers an Kolb vom 25. April 1947 im Stadtarchiv Frankfurt. Magistratsakten. Sign. 8.116. (Alte Aufschrift: Stadtkanzlei. Goethehaus, Goethe-Museum. 1930-1947).

37 Vgl. hierzu Kolbs Geleitwort in der offiziellen Broschüre: Frankfurt a.M. baut auf. Frankfurt am Main 1947, S. 12.

38 Stadtarchiv Frankfurt. Kulturamt Frankfurt Sign. 1.004. Freies Deutsches Hochstift. 1948-1955, pag. 2. Schreiben Ernst Beutlers an den Magistrat vom 30. Juni 1948. Der Magistrat hatte 67.800 Mark für die Goethe-Ausstellung 1949 freigegeben. Stadtarchiv Frankfurt. Kulturamt Frankfurt Sign. 1.004. Freies Deutsches Hochstift. 1948-1955, pag. 37-39. 14. Oktober 1948.

39 Stadtarchiv Frankfurt. Magistratsakten Sign. 8.117. Schreiben Ernst Beutlers vom 31. Dez. 1949 an den kulturpolitischen Ausschuß in Bonn.

40 Freie Presse, Buenos Aires, 28. Mai 1951 und Messezeitung Frankfurt am Main, 10.5.1951. Beide in der Sammlung des Stadtarchivs Frankfurt, S 3/G 14.064, Goethehaus, Wiederaufbau und Wiedereröffnung 1951. Heuss‘ Rede abgedruckt in: Freies Deutsches Hochstift (Hrsg.), Einweihung des Goethehauses. Ansprachen, Frankfurt am Main 1951. Die Gewährung von 100.000 Mark Bundesmitteln meldet die Offenbach Post, 12. September 1950.

41 Stadtarchiv Frankfurt. Magistratsakten Sign. 8.117. Protokoll der Feierstunde Einweihung am 10. Mai 1951. Maschinenabschrift. Unpag. Das Zitat Heuss‘ auf S. 19-20 des Protokolls.

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