28:5 – Fast jeder Einsatz gewinnt!

Ein Blick in das Juryprotokoll des internationalen Wettbewerbs zum Wiederaufbau Berliner Schloss/ Bau des Humboldt-Forums.

Wie bekannt, gab es nicht die vom Bauminister erwarteten tausend Architekten, die sich am Wettbewerb beteiligen wollten. Am Ende waren es sogar nur 85 Architekturbüro, darunter nur 12 aus dem Ausland, die überhaupt einen Entwurf einreichten. Eine qualitative Vorauswahl hatte es anderes als Vorgesehen mangels Masse nicht gegeben.

Von den 85 Entwürfen entsprachen allerdings überhaupt nur 28 der Auslobung. Von diesen 28 konformen Entwürfen wählte die Jury 11 für die zweite Phase aus. Von diesen wurden dann am Ende 5 prämiert, hierunter 3 der insgesamt 4 Preise. So wenig Konkurrenz war noch nie bei einem so bedeutenden und mit 900.000 Euro hochdotierten Wettbewerb. Zumal auch der Großteil der für eine solche Bauaufgabe profilierten Architekten sich an dem Wettbewerb erst gar nicht beteiligt hatten.

Um dem Ganze noch etwa mehr Masse zu geben, wählte die Jury in der ersten Phase noch 19 Arbeiten aus dem Sonderrundgang aus, die in der einen oder anderen Form gegen die Auslobung verstießen. Somit erfüllte man das untere Limit der vorgegeben Anzahl von 30-40 Arbeiten für die zweite Wettbewerbsphase. Angesichts ihres Fortkommens (und der Ermahnungen der Jury) waren dann auch 12 Autorenteams bereit, sich in der Überarbeitung dann doch der Auslobung zu fügen. Somit machten sie sich den Weg frei für 3 Prämierungen. Rückfällig wurde hingegen die Arbeit von Kühn Malvezzi, welche in der ersten Phase die Vorprüfung noch anstandslos passierte hatte, jetzt aber nicht zuletzt wegen fehlender Kuppel in den Sonderrundgang verwiesen wurde und somit “nur” eine Sonderpreis erhalten konnte. Aber mit 60.000 Euro fast so gut dotiert wie der erste Preis.

Wer bei so vielen Abweichlern eine große Lösungsvielfalt erwartet, der ist allerdings bei der Sichtung der Wettbewerbsarbeiten enttäuscht. Das Lösungsspektrum ist gleichwohl sehr eng, eine Ideenvielfalt so gut wie nicht zu erkennen. Das ist auch wenig überraschend, denn eine Konkurrenz an Ideen war ja auch nicht gewollt, sondern nur das geflissentliche und musterschülerhafte Umsetzen der politischen Vorgaben.

Philipp Oswalt

 

 

 

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