Flucht vor uns selbst

Zum Streit um das Kuppelkreuz des Berliner Schlosses

Ob nun die Hülle des Berliner Schloss mit dem Kuppelkreuz rekonstruiert wird oder ohne, macht keinen wirklichen Unterschied. Weder wäre es dort ein Fremdköper noch müsste man es sonderlich vermissen, stand dass Schloss deutlich länger ohne dieses Kreuz als mit ihm. Weder steht noch fällt mit ihm das christliche Abendland noch die (vermeintliche) weltanschauliche Neutralität des Humboldtforums. Umso verblüffender ist, welch intensive Debatte diese eigentlich eher marginale Frage aufwerfen konnte, mehr als jegliche Diskussion über die Inhalte des Humboldtforums. Eins wird damit deutlich: Dieser Bau ist zuerst ein gesellschaftliches Symbol, seine Gebrauchsfunktion ist sekundär.

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Das Kreuz: Symbol einer Architektur des Geldes

Maren Otto, Milliardärin und Witwe des Unternehmers Werner Otto, spendet die Rekonstruktion des Kreuzes auf der Kuppel des Berliner Schloss. Zugleich räumt selbst der Förderverein Berliner Schloss ein, dass es noch einen Fehlbetrag gibt von 35 Millionen Euro für die Spendenfinanzierung der Fassadenrekonstruktion. De facto ist der Fehlbetrag deutlich höher, da die vom Bauherren kalkulierten Kosten der Fassade deutlich höher sind als vom Förderverein einst angegeben. Der Bund als Bauherr hat  inzwischen Kosten der Fassade „zwischenfinanziert“. Anstatt dass das ursprüngliche Spendenversprechen erst einmal erfüllt wird, wird die detaillgerechte Rekonstuktion über das vom Bundestag festgelegte Schritt für Schritt durch zweckgebundene Spenden ausgeweitet. Zunächst die Innenportale des Eosanderhofes, dann die Kuppel, nun das Kreuz. Fortsetzung folgt. Die, welche Geld haben, bestimmen die Erscheinung des neuen Nationalsymbols.

Utopien und ihre Rekonstruktion

Es wäre ein völliges Missverständnis, Rekonstruktionen in Architektur und Städtebau heute als etwas Konservatives zu sehen. In seinem Beitrag zu Thomas Demans Projekt „Nationalgalerie“ 2010 diskutiert Philipp Oswalt den „Wiederaufbau“ des Berliner Schlosses unter den Begriffen Rekonstrukution, Nation und Utopie. mehr »

A Question of Lust – Der Berliner Lustgarten a.d. 2057

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Die jüdische Rekonstruktionsdebatte um den 3. Tempel

Die älteste literarische und zugleich politisch vielleicht bedeutendste Debatte über die Rekonstruktion eines Bauwerks in der Kulturgeschichte des Abendlandes hat seltsamer Weise in der Diskussion der letzten Jahre keine Rolle gespielt, obgleich an ihr die wesentlichen Fragen in hervorragender Weise verhandelt werden können: Der israelitische Tempel. Im folgenden Text  stellt Franziska Bark Hagen nach einer Einleitung von Philipp Oswalt die innerbiblische Debatte exemplarisch an den alttestamentarischen Positionen von Haggai und  Ezechiel dar. mehr »

Ein Museum, das zum Erschrecken anhält

Am 25. Mai stellte Franco Stella und die Stiftung „Stiftung Berliner Schloss – Humboldt-Forum“ im Audimax der Humboltduniversität Berlin die überarbeiteten Pläne für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses vor. Plattformnachwuchsarchitekten berichten im Folgenden von dem Abend. mehr »

Abriss der Rekonstruktion

Die Welt und ihr Double. Abriss der Rekonstruktion: Eine Konferenz Ende Mai 2011 am Bauhaus Dessau befasst sich mit Rekonstruktionen von Architektur, Mensch, Natur und Religion. mehr »

Geschichte der Rekonstruktion | Konstruktion der Geschichte

In der Öffentlichkeit wie in Fachkreisen wird um das Thema »Rekonstruktion« seit Jahren eine heftige, emotional aufgeladene Debatte geführt. Rekonstruiert wurde jedoch seit der Antike aus verschiedenen Gründen sowie mit wechselndem Verständnis von »Wiederherstellung«. In der Ausstellung des Architekturmuseums werden anhand von circa 150 repräsentativen Fallbeispielen verschiedene Beweggründe für die Rekonstruktion verlorener Bauten präsentiert und analysiert. Der Bogen spannt sich von Rekonstruktionen aus Gründen religiöser Kontinuität oder aus nationalen Überlegungen bis hin zu Wiederaufbauten zur Erfüllung ästhetischer oder kommerzieller Wünsche. Mit Modellen, Gemälden, Plänen, Fotos und Animationen wird ein ebenso spannender wie lehrreicher Einblick in ein kontroverses Thema gegeben.

Ausstellung in der Pinakothek der Moderne München bis 31.10.2010

Wollen Sie adelig werden und damit den Schlossaufbau unterstützen?

Auf Ebay bietet die Stadtschloss Berlin Initiative im März 2010 sogenannte „Adelsdiplome“ mit Wappenrecht für 49,90 Euro an. Dort heißt es „WERDEN SIE MITGLIED DER ADELSGESELLSCHAFT UND BAUEN DAS BEDEUTENDSTE DEUTSCHE SCHLOSS MIT AUF“. Man bekommt eine repräsentative Mitglieds-Ernennungsurkunde und das Wappen der Adelsgesellschaft inkl.Wappenrecht für private und geschäftliche Nutzung. Gleichzeitig gehen für jede Mitgliedschaft 5 Euro an die Initative für den Aufbau des Berliner Schlosses. Anbieter ist Oliver Orfali Graf von Rothenstein Lord of Glenmore“ /STILTEC Agentur für eCommerce*Corporate Design*Journalismus in Berlin-Wilmersdorf.

Barock trifft abgehängte Akustikdecke

Der „Wiederaufbau“ des Braunschweiger Schlosses ist im wesentlichen für seine Fassade und das dahinterliegende Shopping-Center bekannt. Aber zwischen Fassade und Shoppingcenter befinden sich mit Stadtbibliothek und Stadtarchiv zwei kulturelle Einrichtungen. Das Büro Stuhlemmer Architekten, Berlin hatte den Auftrag, deren Räumlichkeiten für 1,2 Millionen eine schlossähnliche Anmutung zu geben. mehr »

Erker im Plattenbau – die Entdeckung der historischen Stadt in der DDR

Florian Urban über postmoderne Rekonstruktionen im Ostberliner Zentrum der Achtziger Jahre

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Zurück auf Anfang bei der Schloß-Rekonstruktion!

Seit 1990 hätte man die archäologischen Grabungen am Schlossareal durchführen können. Doch das war nicht gewollt. Bund und Land Berlin ermöglichten die Grabungen erst nach Abschluss des Wettbewerbs. Wenn alles nach Plan gegangen wäre, hätten diese dann keinen wesentlichen Einfluss auf das Schlossprojekt nehmen können. Doch nun kommt alles andere. Uns so sieht Dieter Hoffmann-Axthelm das Scheitern der Architektenbeauftragung als eine Chance, dass über die Rekonstruktion nochmals neu nachgedacht werden kann. mehr »

Rekonstruktion der Meisterhäuser in Dessau

Nicht nur in Berlin, und nicht nur Barock wird rekonstruiert. Vor zwei Jahren beschloss die Stadt Dessau, die im Krieg zerstörten Meisterhäuser des Bauhauses von Gropius und Moholy-Nagy annähernd wiederaufzubauen. Doch die Entwicklung und Realisierung des Vorhabens erweist sich nicht zu letzt wegen widersprechender Vorstellungen der verschiedenen Akteure als schwierig. Manche der Probleme zeigen erstaunliche Ähnlichkeiten mit dem Berliner Schlossprojekt: Der Wunsch nach möglichst exakter Rekonstruktion der äußeren Erscheinung, ein wenig überzeugendes Nutzungskonzept, Originalbauteile im Untergrund etc. Hier zwei aktuelle Texte zum Thema von dem freien Journalisten Günter Kowa sowie dem Dirketor der Stiftung Bauhaus Dessau, Philipp Oswalt mehr »

Instant Barock 2: Praktische Tips

Nachdem Wilhelm von Boddien laut Tagesspiegel vom 30.12.2008 anregte, bei der Herstellung der bildhauerischen Teile der Schlossfassaden auf computergesteuerte Maschinen zurückzugreifen (Die „schaffen das in null Komma nichts“), haben wir nun für alle Freunde des Instant-Barocks mit Xiamen Vinstone Co., Ltd. einen günstigen und vielversprechenden Anbieter gefunden. Hotline: 0086-592-3885366, www.vinstone.com. Für weitere konstruktive Hinweise wären wir unseren Lesern dankbar.

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Fassade durch Nutzung gefährdet? – Rekonstruktionsbefürworter kritisieren Humboldt-Forum

Die Gesellschaft Berliner Schloss (GBS) fragt sich, „welche Gefahren die vorgesehene moderne Nutzung hinter den historischen Fassaden birgt.“ Denn: „Gerade jene wiederaufgebauten Residenzschlösser erfahren die höchste Akzeptanz, deren aktuelle Funktion und Innenraumdisposition nicht im Gegensatz zu ihrer äußeren Gestalt und historischen Bedeutung steht.“ mehr »

Der Wiederaufbau des Frankfurter Goethehauses

In seinem Aufsatz schildert Christian Welzbacher die Planung und Auseinandersetzung um den Wiederaufbau des Goethehauses in den Nachkriegsjahren, die damals eine grundlegende Debatte über das Für und Wider von Rekonstruktionen hervorrief.

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Ein Ende der Wundpflege

In einem brillianten Aufsatz analysiert der Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt, was sich beim Umgang mit alter Bausubstanz geändert hat. Beitrag zur Jahrestagung des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz in Leipzig mehr »

Instant Barock? Das Schloss 2015

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Sehnsucht nach Geschichte

In diesem Vortrag bei der Stiftung Baukultur in Potsdam am 11. Juli 2008 geht der Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt den Ursachen der heutigen „Altgier“ in der gegenwärtigen Architektur und Städtebau nach und versucht hierzu, eine zeitgenössische, aber der Geschichte verpflichtete Alternative aufzuzeigen.///

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Warum wird die Schlossfassadenrekonstruktion einige Jahrzehnte dauern?

Atelier Hoferick Büste

Ein Gespräch, in dem der Berliner Steinbildhauer Andreas Hoferick, Restaurator und Experte für bildhauerische Rekonstruktion erklärt, warum die Rekonstruktion der Schlossfassade einige Jahrzehnte dauern wird und wo die Herausforderungen bei der professionellen Rekonstruktion liegen. ///

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