Zur Ausstellung „Hin und Weg. Der Palast ist Gegenwart“ im Humboldt Forum

Die Ausstellung „Hin und Weg. Der Palast ist Gegenwart“ der Stiftung Humboldt Forum ist ein Zynismus. Schließlich hat der Bund in den Jahren 2006 bis 2008 den Palast der Republik gegen alle Kritik vollständig abgerissen. Damit ignorierte er bewusst Vorschläge, Teile des Palastes wegen seiner Bedeutsamkeit für die deutsche Geschichte in den Bau des Berliner Schlosses, und damit das Humboldt Forum zu integrieren, wie sie etwa die Internationale Expertenkommission Historische Mitte Berlins (2001/2002) gemacht hatte. Nun wirbt man mit der „Gegenwart“ des ausradierten Palastes.

Eröffnung des VolksPalastPalast 2994, Foto: David Baltzer/ZENIT.

Der Abriss war eine politische Grundsatzentscheidung. Stolz betont der Förderverein Berliner Schloss: „Es sieht alles so normal aus, als ob hier nie etwas anderes gestanden hätte“ (Wilhelm von Boddien, Mai 2022). Im Namen der einen, idealisierten preußisch-deutschen Geschichte wurden die Spuren der anderen Geschichte, der Geschichte von Gewalt, Umsturz und Teilung im 20. Jahrhunderts ausradiert und durch ein idealisiertes Bausymbol Preußens und des deutschen Kaiserreichs überschrieben. Jeder vorgeschlagene Eingriff in die äußere Erscheinung wird dagegen als Schändung tabuisiert und diffamiert, ob der Vorschlag der Gründungsintendanz, den „Zweifel“ von Lars Ramberg auf den Bau temporär zu montieren, oder mit einer LED-Installation den umstrittenen Schriftzug der Kuppel nachts zu überblenden.

Im Inneren dagegen begegnet man den Phantomschmerzen, die der rechtslastige und nationalistische Geschichtsrevisionismus hervorgerufen hat, etwa in Gestalt der im ganzen Haus verteilten Palast-Devotionalien und den im Shop erhältlichen Palast-Souvenirs; und nun auch einer – zudem nur temporären – Ausstellung. Damit wird weder das problematische Geschichtsnarrativ des Bauwerks noch dessen revisionistische Position im identifikatorischen Narrativ der Berliner Republik korrigiert. Die Ausstellung bleibt ein fadenscheiniges Feigenblatt, solange es nicht zu einer Korrektur der äußeren Erscheinung des Bauwerks kommt. Das doppelte Spiel der Stiftung – ihre fortgesetzte Zusammenarbeit mit dem rechtslastigen Förderverein Berliner Schloss trotz eindeutig identifizierter rechtsradikaler Spender und Mitglieder einerseits, die Thematisierung des Palastes der Republik andererseits, geht nicht auf. Die Konflikte des Ortes und damit verbunden des Schlossneubaus werden nicht produktiv gemacht und ausgetragen, sondern in einem Kulturprogramm eingehegt und übertüncht.

Einst wurde versprochen, dass das Humboldt Forum als Agora diene, auf der die Weltprobleme in einem herrschaftsfreien Diskurs verhandelt werden sollten. Doch es gelingt nicht einmal, die eigenen Probleme, etwa die Geschichte des Ortes, in glaubwürdiger Form zu verhandeln, trotz der üppigen Finanzierung der Einrichtung. 

Die Zeit der Augenwischerei ist vorbei. Es gilt nun endlich, das Offenkundige zu tun, die Geschichte des Ortes nicht in das Gebäudeinnere und separate Ausstellungen zu verbannen, sondern den Gebäudekomplex seiner komplexen Geschichte entsprechend zu vervollständigen. Dazu müssen die bislang verdrängten Teile deutscher Geschichte sichtbar gemacht, die Spuren der Zeit nach dem Kaiserreich – von der Revolution 1918, der Weimarer Republik, des II. Weltkriegs, der Nachkriegszeit einschließlich DDR und Wiedervereinigung – in das Bauwerk eingeschrieben werden. Erst wenn der Bau aus seinem Gefängnis der Geschichtsklitterung befreit wird, wird man hier Ausstellungen ernst nehmen und wertschätzen können. Nur dann kann das Bauwerk die deutsche Geschichte repräsentieren, für die die Berliner Republik in ihrem Bekenntnis zur kritischen Vergangenheitsaufarbeitung steht.

Elisabeth Broermann
Tore Dobberstein
Dorothee Dubrau
Stella Flatten
Thomas Flierl
Benjamin Foerster-Baldenius
Harry Friebel
Andreas Haase
Theresa Keilhacker
Doris Kleilein
Anton Maegerle
Philipp Misselwitz
Philipp Meuser
Henrike Naumann
Anh-Linh Ngo
Heike Ollertz
Philipp Oswalt
Christoph Petras
Fred Plassmann
Alexander Römer
Philipp Ruch
Jochen Sandig
Steffen Schuhmann
Marianna Sonneck
Till Sperrle
Alexander Stumm
Tina Veihelmann
Jörn Weisbrodt
Jürgen Zimmerer

Die Unterzeichnenden gehören zu den Beteiligten von ZwischenPalastNutzung/ Volkspalast 2004/2005 und/oder der Initiative Schlossaneignung von 2024.  Die Website schlossaneignung.de wird in ca. zwei Wochen online gehen.

Unwahr?

Die Behauptung, Rechte hätten Einfluss auf das Stadtschloss gehabt, sei falsch, behaupteten Hartmut Dorgeloh und Franco Stella am 22.4.2024 in einer Erwiderung auf ein Interview mit Philipp Oswalt, was kurz zuvor in der Berliner Zeitung erschienen war. Doch de facto widerlegen Sie gar nicht dessen Argumentation, die schon zuvor nach gründlichem Faktencheck auf Zeit-Online veröffentlich worden war. Philipp Oswalt legte in einem Brief am 30.4.2023 an Stiftungsdirektor Hartmut Dorgerloh nochmals da, weshalb der Vorfwurf begründet und belegt ist. Der Wortlaut des Briefes ist wie folgt:

Sehr geehrter Prof. Dr. Dorgerloh,

in Ihrem Gastbeitrag in der Berliner Zeitung von letztem Dienstag behaupten Sie, meine Äußerungen zum Berliner Schloss seien „unwahr“, „falsch und zutiefst unangemessen“.

Ihre Argumentation belegt dies aber nicht. Zum Teil geht sie an meiner Darstellung vorbei, zum Teil stellt sie nachweislich falsche Behauptungen auf. So behaupten Sie: „Aber keine und keiner dieser mehr als 40.000 privaten Spender:innen – und auch der Förderverein Berliner Schloss nicht – hat Einfluss auf die Gestaltung und Architektur genommen.

Das ist nicht wahr. Drei konkrete Beispiele belegen dies ganz konkret:

  1. Das Eckrondell. Am 11.4.2012 erschien hierzu ein Artikel in der Berliner Morgenpost mit dem Titel „Anonymer Geldgeber finanziert neues Eckrondell“. Dort heißt es: „Der anonyme Spender hat das Rondell initiiert.“ Und: „Stark umdisponieren müssten die Architekten wegen dieser Änderung nicht, so Bernhard Wolter von der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum.“
  2. Die Große Kartusche des Eosanderportals. Der Bundestag hatte 2002 die „Wiedererrichtung der barocken Fassaden“ beschlossen. Der Förderverein hatte dann seinen Vorsitzenden, den Architekten Rupert Stuhlemmer mit der Fassadenplanung hierfür beauftragt und diese als Sachspende an den Bauherren überreicht. Dieser machte die Fassadenrekonstruktion von Stuhlemmer wiederum zur Arbeitsunterlage des Architekturwettbewerbs, wo sie als „Entwurfsplanung“ des teilnehmenden Architekten überreicht wurde. Stuhlemmer entschied hierbei, auch die erst 1903 angebrachte Große Kartusche des Eosanderportals in die Zeichnung aufzunehmen, was eine recht freizügige Interpretation des Bundestagsbeschluss von 2002 darstellt und alles andere als zwingend war. Der Bauherr aber überließ dem Büro Stuhlemmer und dem Förderverein als Auftraggeber der Fassadenplanung diese Deutungshoheit.
  3. Optionale Bausteine: Wie schon der Begriff sagt, sind optionale Bausteine lediglich Möglichkeiten. Ihre Realisierung hing ab von dem Eingang von Spenden für diese, es lag also in der Hand der Spender, ob diese vom Bauherren eröffnete Option realisiert wird oder nicht.

Dass darüber hinaus der Förderverein Berliner Schloss e.V. als Lobbygruppe sich seit 1993 intensiv bemüht hat, Einfluss auf den politischen Meinungsbildungsprozess zu nehmen, und damit erfolgreich war, ist allgemein bekannt.  In meinem, Ihnen sicherlich bekannten Texten für Zeit-Online (4.3.2024), für den taz-blog (3.4.2024) und in meinem letzten Jahr erschienenen Buch habe den über die drei oben genannten Fälle hinausgehenden Einfluss der Spender auf das Projekt dargelegt und mit zahlreichen Quellennachweisen belegt, so dass ich darauf verzichten möchte, dies hier zu wiederholen.

Unzutreffend ist auch Ihre Behauptung, dass sich die internationale Expertenkommission die Kuppel „explizit vorstellen konnte“. In den Empfehlungen der Expertenkommission wird die Frage einer möglichen Rekonstruktion der Kuppel nur einmal erwähnt, und war ex negativo. Im Abschlussbericht heißt es auf S. 41, dass die Kommission für Ostfassade des Schlosses, den westlichen Schlosshof (Eosanderhof) noch die Kuppeln „keine Rekonstruktionsempfehlung abgegeben“ hat. Weiter heißt es „Was hier möglich und tunlich ist, muss die Arbeit am architektonischen Entwurf klären“. Dass Ihre eigenen Präferenzen hier offenkundig andere waren und sind, rechtfertigt es nicht, ihre Meinung der Expertenkommission unterzuschieben.

Auch möchte ich an Empfehlung 34 der Expertenkommission erinnern. Diese lautete: „Die Rekonstruktion einzelner Teile des Palastes der Republik (z.B. des Volkskammersaals) soll – vorbehaltlich der architektonisch-gestalterischen Einbindung, der technischen Machbarkeit und der Nutzungsmöglichkeiten – überprüft werden. Die auf diese Weise entstehende Verbindung kontrastierender Teile aus verschiedenen Epochen könnte eine angemessene Veranschaulichung der Wechselfälle deutscher wie Berliner Geschichte bedeuten.“ Dass diese Empfehlung vom Bundestag mit seinem Abrissbeschluss im Jahr 2003 weitgehend verworfen und bald vergessen wurde, war der erste Schritt der Radikalisierung des Projektes, die Sie in Abrede stellen.

Sie nehmen für sich in Anspruch, sich von Personen mit rechtsextremen Positionen „aufs Schärfste“ distanziert zu habe. Meine Wahrnehmung bestätigt dies nicht. Seit über zwei Jahren ist Ihnen die Problematik bekannt. Sie haben zu der Aufklärung dieser Probleme nichts beigetragen, sondern diese behindert. Sie haben verschleiert, dass Spenden in einem Umfang von 25 Mio. € auch von Herrn Raue nicht geprüft werden konnten, da selbst dem Förderverein die Herkunft dieser nicht bekannt ist. Sie haben das Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte zu Bödecker dem Stiftungsrat und der Öffentlichkeit monatelang vorenthalten und dessen Ergebnisse beschönigend und verfälschend dargestellt.

Sie arbeiten mit einem Förderverein zusammen, der sich von keinem seiner rechtslastigen Spender, Mitglieder und Funktionäre öffentlich distanziert hat, dessen Vorsitzender Holocaustleugung für eine Frage von Meinungsfreiheit ausgibt und der behauptet, dass ich den Antisemitismus von Herrn Bödecker mit gefälschten Zitaten überhaupt erst erfunden habe. Bereits zwei Gerichtsentscheidungen haben ihm verboten, diese Unwahrheiten, die auch in ihrem Haus verbreitet worden sind, zu wiederholen. 

Und wie verhalten Sie sich hierzu? Auch sie versuchen den Anschein zu erwecken, dass ich Unwahrheiten verbreite, weil Ihnen meine Kritik unangenehm ist. Im November 2022 äußerten Sie. „Der in der Presse geäußerte Verdacht, der Förderverein habe von rechtsextremen Personen oder Institutionen Großspenden angenommen, hat sich nicht erhärtet.“ Von der rechtslastigen bis rechtsextremen Presse ist diese Behauptung freudig aufgegriffen worden und galt als offizielle Bestätigung, dass meine Kritik unzutreffend gewesen sei. Dabei ist keine meiner Darlegungen des Ihnen ein Jahr zuvor überlassenen 16-seitigen Dossiers widerlegt worden und in unserem Gespräch hierzu im April 2023 wollten Sie Ihre Aussage vom Vorjahr nicht auf meine Darlegungen bezogen verstanden wissen.

Nun reden Sie explizit davon, dass ich Unwahre behaupte. Ihre Darlegungen sind zwar nicht stichhaltig, aber wurden in dem Rechtsstreit mit mir vom Förderverein bereits freudig aufgegriffen, um meine Position in Misskredit zu bringen. Der Förderverein kann sich nach den beiden bisherigen Urteilen zwar wenig Hoffnung auf einen Erfolg machen, gleichwohl hat er angekündigt, bis zum Bundesgerichtshof zu gehen. Dass er damit das Kostenrisiko auf ca. 50.000 € treibt, kommt im entgegen. Denn während er diese Kosten aus seinen Spenden bestreitet, muss ich hierfür privat aufkommen, und so fährt er hier eine einer SLAPP (strategic lawsuit against public participation) vergleichbare Strategie, um mich als Kritiker einzuschüchtern, der die strukturellen Verbindungen des Fördervereins ins rechtsradikale Milieu aufgedeckt hat. Und weil Ihnen diese Verbindungen Ihres Kooperationspartners unangenehm sind, versuchen Sie, diese in Abrede zu stellen und zu verschleiern.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Philipp Oswalt

CC: Claudia Roth, Staatsministerin/ Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
CC: Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus.
CC: Franco Stella

Demokratisiert das Berliner Schloss /Transparenz über die Spender*innen

7 Forderungen an die Politik

Die jüngste Debatte um die Aufstellung von acht Prophetenfiguren an der Kuppel des Berliner Schlosses / Humboldt Forum hat erneut gezeigt, dass das Problem rechtslastigen Spender*innen für die Fassadenrekonstruktion – obwohl schon vor Jahren versprochen – keineswegs gelöst ist. Vielmehr wird zunehmend deutlich, dass durch das Geld teilweise anonymer Geldgeber ein christlich – fundamentalistisches Programm in die Schlossrekonstruktion eingeschrieben wurde, welche die Gefahr birgt, das ganze Gebäude zu einem Kristallisationspunkt anti-modernen, anti-demokratischen und völkischen Denkens zu machen. Durch Kuppel, Kuppelkreuz und Kuppelinschrift wird das Stadtschloss zu einem weltlichen Symbol christlicher Dominanzkultur, und dies im Zentrum der Berliner Republik, buchstäblich über den Sammlungen außereuropäischer Kunst im Humboldt Forum.

Die – auf drei Seiten – ungebrochene Rekonstruktion des Berliner Schlosses im Zustand von 1918 radiert als Deckerinnerung buchstäblich die deutsche Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts aus und bietet den Rückbezug auf eine vermeintlich unproblematische Idylle der preußischen Monarchie und des Deutschen Kaiserreich; ein steingewordene Schlussstrich und eine Re-Nationalisierung des identifikatorischen Kerns der Berliner Republik.

Gerade vor diesem Hintergrund ist das Agieren rechtslastiger bis rechtsextremer Spender*innen besonders problematisch. Das Humboldt Forum/ Berliner Schloss als wichtigster architektonischer Identitätskern der Berliner Republik ist zu wichtig, als dass auch nur der geringste Zweifel an der Provenienz der Gelder bestehen bleiben dürfte.

Angesichts des Unvermögens und des mangelnden Willens, hier eine Klärung herbeizuführen, wie auch ein neuer Recherchebericht von Philipp Oswalt auf https://blogs.taz.de/ aufzeigt, fordern wir von den politisch Verantwortlichen, namentlich von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien:

  • Einrichtung einer unabhängigen Fachkommission, welche – analog etwa zum Umgang mit der documenta15 – alle erhobenen Vorwürfe bzgl. der Beteiligung von Personen mit rechtsradikalen, antidemokratischen, geschichtsrevisionistischen, rassistischen oder antisemitischen Haltungen als Spender oder Mitglied und ggfl. Funktionsträger eines spendenden Vereins prüft. Die Kommission ist zudem zu beauftragen, auch proaktiv möglichen weiteren Problemfällen nachzugehen.
  • Für die Überprüfung der der Bauherrin unbekannten Spender*innen (anonyme Spenden) sind hierzu ergänzend Expert*innen zu beauftragen, die keiner Befangenheit unterliegen, die die Vertraulichkeit wahrt und deren Bericht ohne Nennung der Identität der Spender*innen öffentlich gemacht werden kann und gemacht wird. Die Expert*innen haben auch explizit den Auftrag, alle Möglichkeiten auszuschöpfen (etwa nach Geldwäschegesetz etc.), um die Spender jener 25 Millionen Euro zu überprüfen, deren Identität auch dem Förderverein nicht bekannt sind.
  • Alle Spendenbeträge von Spender*innen mit rechtsradikalen, antidemokratischen, rassistischen, geschichtsrevisionistischen und/ oder antisemitischen Haltungen und von anonymen Spenden, deren Provenienz nicht ermittelt werden kann, werden vom Bauherren an gemeinnützige antirassistischen Initiativen übergeben.
  • Die durch solche Spenden ganz oder teilweise finanzierten Bauteile sind zu schwärzen oder anderweitig temporärkenntlich zu machen.
  • Ausschreibung eines künstlerischen Wettbewerbs, der zum Ziel hat, die preußenverklärende äußere Erscheinung des Gebäudes zu brechen, in dem etwa auch Spuren aus der Geschichte des Ortes nach Ende des Kaiserreich (Revolution 1918, Weimarer Republik, II. Weltkrieg, Nachkriegszeit, DDR) in das Bauwerk eingeschrieben werden und somit bislang verdrängte Perspektiven auf die deutsche Geschichte hier sichtbar gemacht werden. Es ist dafür Sorge zu tragen, dass die deutsche Gewaltgeschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts nicht hinter den Fassaden verschwindet.
  • Beauftragung einer Organisationsberatung, die – analog zum Umgang mit der documenta15 – untersucht, welche institutionellen Fehler beim Umgang mit Spendengeldern in Hinsicht auf eine Zusammenarbeit mit Personen mit rechtsradikalen, rassistischen, antidemokratischen, geschichtsrevisionistischen und/ oder antisemitischen Haltungen gemacht worden sind und wie zukünftig bei vergleichbaren Vorhaben diese vermieden werden können (Organisatorische Vorgaben, Code oft Conduct, etc.)
  • Beendigung der Zusammenarbeit zwischen Stiftung Humboldt Forum und dem Förderverein Berliner Schloss, der sich von keinem seiner Spender distanziert hat.

Berlin, Hamburg, Lüneburg, 3.4.2024

Dr. Max Czollek,Prof. Dr. Philipp Oswalt, PD Dr. Agnieszka Pufelska, Prof. Dr. Jürgen Zimmerer

Mit Spendengeldern von Rechtsradikalen wird die das Berliner Schloss weiter zum neu-rechten Symbol für das „christliche Abendland“ ausgebaut

Wie die Stiftung Humboldtforum mitteilt, werden am morgigen Dienstag, den 19. März 2024 die Steinskulpturen der acht alttestamentlich Propheten auf der Kuppel-Balustrade über dem Eosanderportal des Humboldt Forums/ Berliner Schloss montiert. Eine der Figuren, der Prophet Daniel, wurde laut Website des Fördervereins Berliner Schloss von der von vielen als rechtsradikal eingeschätzten Politikerin und Publizistin Vera Lengsfeld [teilweise] finanziert*. Die Namen der übrigen Spender werden auch auf Nachfrage von der Stiftung Humboldt Forum und dem Bundesbauministerium nicht genannt.

Die Skulpturen der Propheten unterstreichen die christliche Symbolik der Kuppel, welche die Religionen der meisten im Humboldt Forum gezeigten Kulturen ignoriert und diese einem abendländlichen Universalitätsanspruch unterordnen. Bereits 2017 war eine heftige Kontroverse über die Anbringung von Kuppelkreuz und Kuppelinschrift aufgebrochen, bei der von vielen kritisiert wurde, dass die im Humboldtforum versammelten Außereuropäischen Sammlungen mit einem christlichen Symbol bekrönt werden. In Reaktion darauf hatte die Stiftung Humboldtforum zwischenzeitlich überlegt, den Bibelvers der Inschrift nachts mittels eine künstlerischen LED-Installation zu überblenden und somit zu relativieren. Doch diese Idee wurde verworfen. Vielmehr hat der Stiftungsrat der Stiftung Humboldt Forum nach Auskunft des Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen auf seiner 38. Sitzung am 2. November 2021 die Realisierung der Figuren der Kuppelbalustrade beschlossen. Diese waren weder in den Bundestagsbeschlüssen von 2002 oder 2003 noch im Wettbewerbsbeitrag von Franco Stella von 2008 vorgesehen.

Screenshot von der Spenderliste des Förderverein Berliner Schloss e.V.

Man muss inzwischen von einer bewussten fundamental-christlichen Unterwanderung des Stadtschlosses ausgehen, die sich bestens in die islamophoben Tendenzen der Zeit einfügt. Das Berliner Stadtschloss ist das wichtigste architekturpolitische Symbol der Berliner Republik. Es bedeutet nicht weniger als einen „steingewordenen Schlussstrich“ (Zimmerer), eine konservative Wende des identitätspolitischen Kerns der Berliner Republik. Die nun nachträglich  herausgehobene christliche Symbolik verstärkt dies noch. Für eine weltoffenes Deutschland, wofür das Humboldt Forum ja zu stehen vorgab, ist dies gefährlich, weckt es doch völkische Anklänge: Nicht-Christinnen und Christen gehören nicht gleichberechtig dazu.

Die Herero-Aktivistin und namibische Vize-Ministerin Esther Muinjangue kommentiert dies wie folgt: „Das Humboldt Forum steht in der Tradition des deutschen Kolonialismus. Es ist schier unbegreiflich und auch zynisch, dass trotz der jahrlangen Kritik hieran weiterhin Gelder für eine Ausbau der christlich-preußischen Bauschmucks gesammelt werden, während eine Entschädigung für den Völkermord an den Herero und Nama von der Bundesregierung nach wie vor abgelehnt wird.“

Die Stiftung Humboldt Forum hat dem Förderverein Berliner Schloss die Möglichkeit eingeräumt, durch das Einwerben steuerlich absetzbarer Spenden über das ursprüngliche,  im November 2020 erreichte Spendenziel hinaus zusätzliche Rekonstruktion von Bauelementen durchzusetzen, die weder in den Bundestagsbeschlüssen von 2002/2003 noch im Wettbewerbsentwurf von Franco Stelle von 2008 vorgesehen waren.

Wettbewerbsentwurf von Franco Stella aus dem Jahr 2008 noch ohne Figuren der Propheten

Bereits Anfang September 2021 war der Stiftung Humboldt Forum aber bekannt, dass mit Ehrhardt Bödecker zu den Großspendern des Fördervereins Personen gehören, die antisemitische und rechtsradikalen Auffassungen vertreten und auch in rechtsextremen Kreisen aktiv sind. Anders als von der Stiftung Humboldt Forum im November 2022 behauptet, handelt es sich hierbei nicht um ein Einzelfall. Neue Recherchen haben aufgezeigt, dass der Förderverein seit Anfang an und bis heute rechtsradikale Politiker sowie Unterstützer der AfD zu seinen Spendern, Mitgliedern und Funktionsträgern zählt und sich von keinem dieser distanziert hat. (Q: Philipp Oswalt: Rechte Spender für das Berliner Stadtschloss Kulturrevolution mit Preußen, ZEIT-Online, 4. März 2024).

Der Förderverein hatte Ende 2019 begonnen, den Nachbau der Balustradenfiguren zu planen und dafür Spendengelder einzusammeln. Im September 2021 wurden die zweckgebundenen Spenden für diesen optionalen Baustein der Stiftung Humboldt Forum übergeben, welche diese auch annahm, daraufhin die Umsetzung der Maßnahme beschloss und in Folge deren Realisierung beauftragte.

Es war bereits völlig inakzeptabel, dass die Stiftung Humboldt Forum es hinnahm, dass der Förderverein sich nicht von seinen rechtsradikalen Spendern distanzierte, deren antisemitischen Äußerungen leugnete und sogar die Holocaustleugnung relativierte.  Es ist schlichtweg unerträglich, dass die Stiftung es rechtslastigen Kreisen ermöglicht, die Symbolproblematik des Berliner Schlosses weiter zu verschärfen und damit die schrittweise Radikalisierung des ohnehin so umstrittenen Projektes fortzusetzen.

Philipp Oswalt und Jürgen Zimmerer

* Wir haben nachträhglich das Wort teilweise ergänzt, denn inzwischen stellen alle beteiligten Akteure klar, dass die Darstellung der Spende auf der Website des Fördervereins offenkundig irreführend war, weil die Spende von Vera Lengsfeld nur zu einem kleinen Anteil die Kosten der Skulptur des Propheten Daniels deckte. Dies geht aus folgenden Stellungnahmen hervor, die uns nach unserer Pressemitteilung vom 18.3.2024 erreichten:

Am 19.3.2024 beantworte uns die Stiftung Humboldt Forum eine bereits am 15.3.2024 gestellte Anfrage mit folgenden Worten: „Die genaue Spendensumme von Vera Lengsfeld dürfen wir Ihnen aus Gründen des Datenschutzes nicht nennen. (…) Allerdings: Diese Spende deckte nur einen kleinen Bruchteil der Produktionskosten einer einzelnen Prophetenfigur ab und ist im Gesamtbudget der Figuren praktisch irrelevant. Bildlich gesprochen konnte mit diesem Spendenanteil nicht einmal der rechte kleine Fingernagel des Propheten Daniel finanziert werden.

Die Namen und die Anzahl der Spender*innen, die an den Förderverein gespendet haben, sind uns grundsätzlich nicht bekannt. Die Spenden, die uns der Förderverein im September 2021 überwiesen hat, kamen in einer Spendengemeinschaft zusammen.“

Anmerkung: Eine Spendengemeinschaft zu den Propheten ist aber weder in der Spenderliste des Fördervereins genannt noch fand eine solche bei der Einwerbung der Gelder eine Erwähnung. Dieses Konstrukt ist ebenfalls geeignet, die Herkunft von Spendengeldern zu verschleiern.

Am 21.3.2024 erreichte uns eine Stellungnahme von Frau Lengsfeld, in der sie u.a. mitteilt:

„Wie aus der Liste des Fördervereins ersichtlich gehöre ich zu den vielen, vielen Spendern für die Fassadengestaltung des Humboldt-Forums/Stadtschloss in Berlin – ich hatte über die Jahre ein Spendenabo  und auf meinen Anteil an den Löwenköpfen bin ich sehr stolz. Ein kleiner Teil meiner Spende wurde ohne mein Wissen für die Figur des Propheten Daniel verwendet.“

Anmerkung: Die sich für uns daraus ergebende Frage ist, wieso ordnet der Förderverein die Spende von Vera Lengsfeld dem Propheten Daniel zu und erweckt den Eindruck, sie habe das gesamte Bauteil finanziert?

Am 22.3.2025 äußerte sich der Förderverein u.a. wie folgt: „Wir stellen dazu fest, dass die Herstellung des Daniel von Dutzenden Spendern anteilig in kleinsten und größeren Beträgen bezahlt wurde. Die von Frau Lengsfeld gespendete Summe dürfte dazu ausreichen, eine der Haarlocken des gut drei Meter hohen Propheten zu bezahlen.“

Architekturrekonstruktionen: Bauen am Nationalen Haus

Bauen am nationalen Haus. Architektur als Identitätspolitik ist der Titel des jüngsten Buches von Architekt und Architekturtheoretiker Philipp Oswalt. Die Sektion Baukunst der Akademie der Künste nahm diese Neuerscheinung zum Anlass für eine Veranstaltung zur Rolle architektonischer Rekonstruktionen als Instrument von Identitätspolitik, von der hier die Videoaufzeichnung einsehbar ist.
Im Sinne ihres Beratungsauftrags schloß die Akademie der Künste an die hier geführten Debatten zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses, der Garnisonkirche Potsdam sowie der Bauakademie in Berlin, an. Oswalt fasst diese Diskurse zusammen und ordnet die Entwicklung von rekonstruierten Bauten in den Kontext der letzten Jahrzehnte ein.
Fallbeispiele im Buch, das im Dezember 2023 im Berenberg Verlag erschien, sind das Berliner Schloss, die Potsdamer Garnisonkirche, die neue Altstadt in Frankfurt/M., die Paulskirche in Frankfurt/M. sowie die neuen Meisterhäuser in Dessau. Die hierum vielfach und intensiv geführten Debatten will die Veranstaltung weiterführen, indem sie den zeithistorischen und erinnerungspolitischen Diskurs beleuchtet. Welches Geschichts- und Gesellschaftsverständnis offenbaren die Rekonstruktionen? Welche Rolle spielt Architektur bei der Formulierung einer nationalen Identität? Und wo finden diese Aushandlungsprozesse (nicht) statt?
Zur Begrüßung sprach HG Merz, Architekt und Stellvertretender Direktor der Sektion Baukunst. Einführende Thesen von Philipp Oswalt, Architekt und Publizist. Anschließend Podiumsgespräch mit Aleida Assmann, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin; Harald Bodenschatz, Stadtplaner; Max Czollek,
Schriftsteller und Philipp Oswalt. Moderation Johanna M. Keller, Programmbeauftragte der Akademie der Künste

Begrüßung HG Merz (Video: OFFscreen.de/Fred Plassmann)

Einleitung Philipp Oswalt (Video: OFFscreen.de/Fred Plassmann)

Podiuksdiskussion mit Aleida Assmann (online zugeschaltet), Harald Bodenschatz, Max Czollek und Philipp Oswalt. Moderation Johanna M. Keller (Video: OFFscreen.de/Fred Plassmann)

Publikumsfragen und -statements (Video: OFFscreen.de/Fred Plassmann)

Polen: Ein blinder Fleck der Kolonialismusdebatte im Humboldtforum

von Agnieszka Pufelska

Gross wurde vor ein paar Wochen das Jubiläum der 1848er Revolution durch das Humboldt-Forum im Berliner Schloss gefeiert. Im Rahmen des Wochenendes für Demokratie fanden dort zahlreiche Veranstaltungen statt, welche die Revolution von 1848/49 «europäisch zu denken» versprachen. Dass keine einzige davon die mit dem Datum in Verbindung stehende brutale Niederschlagung des polnischen Aufstands im damaligen preussischen Grossherzogtum Posen thematisierte, scheint programmatisch für den Umgang des Humboldt-Forums mit dem östlichen Nachbarland. mehr »

Gutachten zum rechtsradikalen Großspender des Humboldtforum Ehrhardt Bödecker veröffentlicht

Das entgegen dem Wunsch der Verfasser bislang geheimgehaltene Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte München über Großspender des Humboldtforums Ehrhardt Bödecker, der sich wiederholt antisemitisch und rechtsradikal äußerte, ist nun öffentlich. Die Veröffentlichung wurde durch eine von Philipp Oswalt am 3.12.2023 an die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien gestellten Anfrage nach Informationsfreiheitgesetzt (IFG) sowie eine weitere Anfrage des Tagesspiegels erwirkt. Oswalt hatte im Oktober 2021 erstmals mit seinem Artikel im Tagesspiegel  „Preußentum und Antisemitismus: Ehrt das Humboldt Forum einen Mäzen mit rechtsradikaler Gesinnung?“ auf die Problematik aufmerksam gemacht. Darauf hin hatte der Stiftungsrat des Humboldtforums die Beauftragung eines Gutachten veranlasst, welches seit Ende September 2022 vorlag. Der Intendant des Humboldtforums Hartmut Dorgerloh hatte aber dann dessen Weitergabe auf Druck der Familie Bödecker und ihres Anwaltes Peter Raue verweigert und dieses sogar an seinen eigenen Stiftungsrat vorenthalten. mehr »

„Entwarnung“: Die Spender des Berliner Schlosses sind nur ein bisschen antisemitisch

Stiftung Humboldtforum und der Berliner Förderverein bescheinigen sich in Ihren gestrigen Pressemitteilungen (Montag, den 20. November) selber Transparenz und einen ethisch einwandfreien Umgang mit Spendern. Der „in der Presse geäußerte Verdacht“ der Rechtslastigkeit von einer Anzahl von Spendern hätten „sich nicht erhärtet“. Doch ihre Entlastungsargumente sind dürftig und entkräften keineswegs die im Oktober 2021 vorgebrachte Kritik mehr »

Verkauf von Boddiens Autobiografie wegen verleumdnerischer Falschaussagen gestoppt

 

Das Landgericht Berlin hat den wietern Vertrieb von Wilhelm von Boddiens jüngst erschienen Memoiren „Abenteuer Berliner Schloss: Erinnerungen eines Idealisten“ in seiner urspünglichen Fassung untersagt, weil diese mehrere diskriminierende Falschaussagen über den Architekten und Publizisten Philipp Oswalt enthalten mehr »

Berliner Förderverein für Antisemitismus- und Holocaustleugnung

Als im Oktober letzten Jahres die Würdigung rechtsextremistischer, antisemitischer sowie rechtpopulistischer Spender beim Humboldtforum bekannt und kritisiert wurde, vermied der Förderverein Berliner Schloss eine Positionierung. Ohne Probleme hätte er sich – so wie es die Stiftung Humboldtforum und die Familie Bödecker getan haben  – von den Aussagen seiner extremistischen Spender distanzieren können, und damit auch den Ruf der Großteils untadeligen Spender schützen können. Aber das hat er nicht getan. Und nun, acht Monate später, tut er sogar das Gegenteil. mehr »

Der Antisemitismus des Großspenders Ehrhardt Bödecker

Der verstorbene Berliner Privatbankier Ehrhardt Bödecker war in Berlin und Brandenburg als ein glühender Verehrer Preußens bekannt; im Jahr 2000 hatte er im Brandenburgischen Wustrau sein privates Brandenburg-Preußen Museum eröffnet. Gemeinsam mit seiner Frau Anneliese hat er über eine Millionen Euro für die Schlossfassaden des Humboldtforums gespendet. Dokumentiert ist Ehrhardt Bödeckers antisemitisches, aber auch demokratieverachtendes und geschichtsrevisionistischen Gedankengut über seine Schriften, die er nach seiner Pensionierung im Jahr 1995 bis zu seinem Tod 2016 veröffentlich hatte. mehr »

Neue Recherchen zeigen: Weitere rechtslastige Spender für das Berliner Schlossprojekt

Die umstrittene Großspende Ehrhardt Bödeckers, der sich wiederholt rechtsextrem und antisemitische geäußert hat und auch in rechtsextremen Kontexten aufgetreten ist und publiziert wurde, ist kein Einzelfall. Neue Recherchen zeigen, das eine Vielzahl von Spendern für das Berliner Schloss, die vom Förderverein Berliner Schloss eingeworben wurden, aus rechtslastigen Milieus der Neuen wie Alten Rechte kommen. mehr »

Die Entfernung der Spenderehrung von Ehrhardt Bödecker ist kein Befreiungsschlag

In einem Brief vom gestrigen Mittwoch 3.November räumte Sohn und Schwiegertochter von Ehrhardt Bödecker, Andreas Bödecker und Elvira Tasbach, ein, dass die jüngst kritisierten Äußerungen in der Tat zum Teil rechtsextrem sind und auch an Orten vorgetragen oder veröffentlicht wurden, die zu rechtsextremen Kreisen gehören. Sie bitten daher, das Portrait-Medaillon von Ehrhardt Bödecker und seiner Frau im Foyer des Berliner Schlosses abzunehmen. Ein solches Statement verdient zunächst Respekt, da es niemanden leicht fällt, sich auf diese Weise zu einer nahestehenden Person öffentlich zu äußern. Doch geht dieses Statement mit der Behauptung einher, dass die problematische Äußerungen der Familie unbekannt gewesen und das jetzt erstmals mit meinem Artikel im Tagesspiegel die Vorwürfe des Antisemitismus und Rechtsradikalismus erhoben worden seien. Aber kann das sein? mehr »

Ehrhardt Bödecker, ein rechtsradikaler Großspender

Eine Dokumentation von Philipp Oswalt

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Garnisonkirche Potsdam – ein Ort der radikalen Rechten

Politisch brisanter als der Wiederaufbau der Berliner Schlossfassaden ist Rekonstruktion der Potsdamer Garnisonkirche. Als Gotteshaus braucht sie keiner, als Symbol ist sie angeblich wichtig. Aber wofür? Von Philipp Oswalt

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Flucht vor uns selbst

Zum Streit um das Kuppelkreuz des Berliner Schlosses

Ob nun die Hülle des Berliner Schloss mit dem Kuppelkreuz rekonstruiert wird oder ohne, macht keinen wirklichen Unterschied. Weder wäre es dort ein Fremdköper noch müsste man es sonderlich vermissen, stand dass Schloss deutlich länger ohne dieses Kreuz als mit ihm. Weder steht noch fällt mit ihm das christliche Abendland noch die (vermeintliche) weltanschauliche Neutralität des Humboldtforums. Umso verblüffender ist, welch intensive Debatte diese eigentlich eher marginale Frage aufwerfen konnte, mehr als jegliche Diskussion über die Inhalte des Humboldtforums. Eins wird damit deutlich: Dieser Bau ist zuerst ein gesellschaftliches Symbol, seine Gebrauchsfunktion ist sekundär.

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Das Kreuz: Symbol einer Architektur des Geldes

Maren Otto, Milliardärin und Witwe des Unternehmers Werner Otto, spendet die Rekonstruktion des Kreuzes auf der Kuppel des Berliner Schloss. Zugleich räumt selbst der Förderverein Berliner Schloss ein, dass es noch einen Fehlbetrag gibt von 35 Millionen Euro für die Spendenfinanzierung der Fassadenrekonstruktion. De facto ist der Fehlbetrag deutlich höher, da die vom Bauherren kalkulierten Kosten der Fassade deutlich höher sind als vom Förderverein einst angegeben. Der Bund als Bauherr hat  inzwischen Kosten der Fassade „zwischenfinanziert“. Anstatt dass das ursprüngliche Spendenversprechen erst einmal erfüllt wird, wird die detaillgerechte Rekonstuktion über das vom Bundestag festgelegte Schritt für Schritt durch zweckgebundene Spenden ausgeweitet. Zunächst die Innenportale des Eosanderhofes, dann die Kuppel, nun das Kreuz. Fortsetzung folgt. Die, welche Geld haben, bestimmen die Erscheinung des neuen Nationalsymbols.

Jetzt noch neuer denken

Johannes Itten, Haus des weissen Mannes, 1922

Neil MacGregor, der Gründungsintendant des Humboldt-Forums, gilt als „Museums-Messias“ und Experte für deutsche Geschichte. Man darf nur nicht zu genau hinsehen.

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Die Welt neu denken

Der dieses Jahr berufenen Gründungsintendant des Humboldtforum, Neil Mac Gregor, gab dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel für seine Weihnachtsausgabe (Nr. 52/ 18.12.2015) ein Interview. In diesem sprach er dem Vorhaben die Chance zu, „die ganze Welt neu zu denken“, ein Zitat, welches über eine Kurzmeldung der Nachrichtenagentur dpa  in der ganzen deutschen Medienlandschaft schnell die Runde machte. Offenbar spricht dieses Zitat den Zeitgeist an, und MacGregor war keineswegs der Erste, der diese Formulierung nutzte. mehr »

Noch ist Zeit fürs Neuverteilen am Schloss

Unter diesem Titel schriebt Nikolaus Bernau anläßlich des Richtfest ein präzise Kritik des Status quo der Planungen für das Humboldtforum und macht konkrete Vorschläge, um wenigstens die Qualität der Präsentation der Ausstellungen im Rahmen des möglichen zu verbessern. Berliner Zeitung vom 11.6.2015

Exklusiv: Testfassade bereits realisiert

Probefassade Berliner Schloss

Aus gut unterrichteten Kreisen erhielte wir rechtzeitig ein Tag vor dem Richtfest des Berliner Schloss-Humboldtforum die Information, dass nicht nur die Arbeit an den Barockfassaden vorrangeht, sondern das auch für die moderne Ostfassade des Humboldtforums eine Testfassade im Berliner Stadtraum realisiert wurde. Zur Vermeidung von kontroversen Diskussion wurde dies aber bislang nicht öffentlich gemacht. Anders als die Barockfassaden gab es für die Ostfassade kein historisches Vorbild, das hier realisiert wird, womit im Sinne einer automatischen und autorenlosen Architektur kontroverse Diskussion hätte vermieden werden könnten. Nein, hier wird die Architektur von Franco Stella sichtbar, aber trifft nicht bei allen auf Gegenliebe. Um so wichtiger, dass die Fassade in ihrer Wirkungs diskret getestet werden kann. Wie das Bild zeigt, zeichnet sich die Fassade durch eine zeitgemäße Sachlichkeit aus, eine nahezu schweizerische Hochwertigkeit und Präzision. Auf jedes Originalitätsgehabe wird hier verzichtet, vielmehr reiht sich die Fassade ein in eine große Zahl neuer Außenhüllen von Büro- und Hotelbauten und entspricht somit auch einer hochwertigen und zeitgemässen Technik und Ästhetik. Unverkennbar ist das Humboldtforum nicht nur ein Gebäude mit historischer Referenz, sondern zugleich auch ein Gebäude der Gegenwart, von Aktualität und Modernität, Ausdruck unserer Zeit.

Utopien und ihre Rekonstruktion

Es wäre ein völliges Missverständnis, Rekonstruktionen in Architektur und Städtebau heute als etwas Konservatives zu sehen. In seinem Beitrag zu Thomas Demans Projekt „Nationalgalerie“ 2010 diskutiert Philipp Oswalt den „Wiederaufbau“ des Berliner Schlosses unter den Begriffen Rekonstrukution, Nation und Utopie. mehr »

Von der Stadt abgewandt, und sehr modern

Eine städtebauliche und architektonische Kritik des Wettbewerbsentwurf von Franco Stella. Von Philipp Oswalt mehr »

Wozu nutzt das Humboldt-Forum?

 

Aufgrund des Fassadenstreits wurde das Nutzungskonzept für das Humboldt-Forum bislang nicht kritisch diskutiert. Doch ein Blick in die Auslobung des zur Zeit laufenden Architektenwettbewerbs zeigt: Die Nutzfläche wurde mehr als halbiert, ohne die Konzeption zu ändern oder weiterzuentwickeln. Die ethnologischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Berliner Landesbibliothek werden in unverantwortlicher Weise fragmentiert und auseinandergerissen. Wie Philipp Oswalt in diesem Beitrag aufzeigt, haben nicht die Kulturschaffenden das Wort, sondern die Politik, die das Projekt ihren fraglichen Legitimationsbedürfnissen unterwirft. /// mehr »

Wie können Modernisten rekonstruieren?

Nicht zuletzt als Handreichung zum internationalen Realisierungswettbewerb Wiederaufbau Berliner Schloss 2008 ein Survival-Pack für Modernisten bei Rekonstruktionsaufgaben von Philipp Oswalt (Bildredaktion Laura Rottmann). ///

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