Flucht vor uns selbst

Zum Streit um das Kuppelkreuz des Berliner Schlosses

Ob nun die Hülle des Berliner Schloss mit dem Kuppelkreuz rekonstruiert wird oder ohne, macht keinen wirklichen Unterschied. Weder wäre es dort ein Fremdköper noch müsste man es sonderlich vermissen, stand dass Schloss deutlich länger ohne dieses Kreuz als mit ihm. Weder steht noch fällt mit ihm das christliche Abendland noch die (vermeintliche) weltanschauliche Neutralität des Humboldtforums. Umso verblüffender ist, welch intensive Debatte diese eigentlich eher marginale Frage aufwerfen konnte, mehr als jegliche Diskussion über die Inhalte des Humboldtforums. Eins wird damit deutlich: Dieser Bau ist zuerst ein gesellschaftliches Symbol, seine Gebrauchsfunktion ist sekundär.

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Das Kreuz: Symbol einer Architektur des Geldes

Maren Otto, Milliardärin und Witwe des Unternehmers Werner Otto, spendet die Rekonstruktion des Kreuzes auf der Kuppel des Berliner Schloss. Zugleich räumt selbst der Förderverein Berliner Schloss ein, dass es noch einen Fehlbetrag gibt von 35 Millionen Euro für die Spendenfinanzierung der Fassadenrekonstruktion. De facto ist der Fehlbetrag deutlich höher, da die vom Bauherren kalkulierten Kosten der Fassade deutlich höher sind als vom Förderverein einst angegeben. Der Bund als Bauherr hat  inzwischen Kosten der Fassade “zwischenfinanziert”. Anstatt dass das ursprüngliche Spendenversprechen erst einmal erfüllt wird, wird die detaillgerechte Rekonstuktion über das vom Bundestag festgelegte Schritt für Schritt durch zweckgebundene Spenden ausgeweitet. Zunächst die Innenportale des Eosanderhofes, dann die Kuppel, nun das Kreuz. Fortsetzung folgt. Die, welche Geld haben, bestimmen die Erscheinung des neuen Nationalsymbols.

Jetzt noch neuer denken

Johannes Itten, Haus des weissen Mannes, 1922

Neil MacGregor, der Gründungsintendant des Humboldt-Forums, gilt als „Museums-Messias“ und Experte für deutsche Geschichte. Man darf nur nicht zu genau hinsehen.

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Die Welt neu denken

Der dieses Jahr berufenen Gründungsintendant des Humboldtforum, Neil Mac Gregor, gab dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel für seine Weihnachtsausgabe (Nr. 52/ 18.12.2015) ein Interview. In diesem sprach er dem Vorhaben die Chance zu, “die ganze Welt neu zu denken”, ein Zitat, welches über eine Kurzmeldung der Nachrichtenagentur dpa  in der ganzen deutschen Medienlandschaft schnell die Runde machte. Offenbar spricht dieses Zitat den Zeitgeist an, und MacGregor war keineswegs der Erste, der diese Formulierung nutzte. mehr »

Noch ist Zeit fürs Neuverteilen am Schloss

Unter diesem Titel schriebt Nikolaus Bernau anläßlich des Richtfest ein präzise Kritik des Status quo der Planungen für das Humboldtforum und macht konkrete Vorschläge, um wenigstens die Qualität der Präsentation der Ausstellungen im Rahmen des möglichen zu verbessern. Berliner Zeitung vom 11.6.2015

Exklusiv: Testfassade bereits realisiert

Probefassade Berliner Schloss

Aus gut unterrichteten Kreisen erhielte wir rechtzeitig ein Tag vor dem Richtfest des Berliner Schloss-Humboldtforum die Information, dass nicht nur die Arbeit an den Barockfassaden vorrangeht, sondern das auch für die moderne Ostfassade des Humboldtforums eine Testfassade im Berliner Stadtraum realisiert wurde. Zur Vermeidung von kontroversen Diskussion wurde dies aber bislang nicht öffentlich gemacht. Anders als die Barockfassaden gab es für die Ostfassade kein historisches Vorbild, das hier realisiert wird, womit im Sinne einer automatischen und autorenlosen Architektur kontroverse Diskussion hätte vermieden werden könnten. Nein, hier wird die Architektur von Franco Stella sichtbar, aber trifft nicht bei allen auf Gegenliebe. Um so wichtiger, dass die Fassade in ihrer Wirkungs diskret getestet werden kann. Wie das Bild zeigt, zeichnet sich die Fassade durch eine zeitgemäße Sachlichkeit aus, eine nahezu schweizerische Hochwertigkeit und Präzision. Auf jedes Originalitätsgehabe wird hier verzichtet, vielmehr reiht sich die Fassade ein in eine große Zahl neuer Außenhüllen von Büro- und Hotelbauten und entspricht somit auch einer hochwertigen und zeitgemässen Technik und Ästhetik. Unverkennbar ist das Humboldtforum nicht nur ein Gebäude mit historischer Referenz, sondern zugleich auch ein Gebäude der Gegenwart, von Aktualität und Modernität, Ausdruck unserer Zeit.

Utopien und ihre Rekonstruktion

Es wäre ein völliges Missverständnis, Rekonstruktionen in Architektur und Städtebau heute als etwas Konservatives zu sehen. In seinem Beitrag zu Thomas Demans Projekt “Nationalgalerie” 2010 diskutiert Philipp Oswalt den “Wiederaufbau” des Berliner Schlosses unter den Begriffen Rekonstrukution, Nation und Utopie. mehr »

Von der Stadt abgewandt, und sehr modern

Eine städtebauliche und architektonische Kritik des Wettbewerbsentwurf von Franco Stella. Von Philipp Oswalt mehr »

Wozu nutzt das Humboldt-Forum?

 

Aufgrund des Fassadenstreits wurde das Nutzungskonzept für das Humboldt-Forum bislang nicht kritisch diskutiert. Doch ein Blick in die Auslobung des zur Zeit laufenden Architektenwettbewerbs zeigt: Die Nutzfläche wurde mehr als halbiert, ohne die Konzeption zu ändern oder weiterzuentwickeln. Die ethnologischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Berliner Landesbibliothek werden in unverantwortlicher Weise fragmentiert und auseinandergerissen. Wie Philipp Oswalt in diesem Beitrag aufzeigt, haben nicht die Kulturschaffenden das Wort, sondern die Politik, die das Projekt ihren fraglichen Legitimationsbedürfnissen unterwirft. /// mehr »

Wie können Modernisten rekonstruieren?

Nicht zuletzt als Handreichung zum internationalen Realisierungswettbewerb Wiederaufbau Berliner Schloss 2008 ein Survival-Pack für Modernisten bei Rekonstruktionsaufgaben von Philipp Oswalt (Bildredaktion Laura Rottmann). ///

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